Manchester. Sportlich in der Krise, wirtschaftlich top - zumindest was die Umsatzzahlen betrifft. In der entsprechenden Rangliste, die das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Deloitte am Donnerstag für die Saison 2015/16 veröffentlichte, hat Manchester United den FC Barcelona und dessen Erzrivalen Real Madrid, der elf Jahre lang die Spitzenposition inne hatte, hinter sich gelassen und erstmals seit 2003/04 die Führung übernommen. 689 Millionen Euro - exklusive Transfererlöse - betrugen die Einnahmen des englischen Rekordmeisters, der damit ebenso wie die beiden spanischen Topvereine erstmals die 600-Millionen-Euro-Schallmauer durchbrochen hat. Die kumulierten Umsätze der Top 20 dieser Rangliste - ein Debüt in diesem elitären Kreis feiert auch Englands Sensationsmeister Leicester City - stiegen gegenüber dem vorangegangenen Geschäftsjahr um zwölf Prozent auf 7,4 Milliarden Euro. Seit 1996/97, als Deloitte erstmals die "Football Money League" erstellte, hat sich dieser Wert fast versiebenfacht.

Dies zeigt das rasante Wachstum des europäischen Fußballs in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Globale Vermarktung, das gestiegene Interesse von Sponsoren und Sportartikelbranche - zwar schlug sich in Teilbereichen hier die Finanzkrise nieder, doch noch immer ziehen die Top-Klubs genügend Unternehmen als Geldgeber an -, weitere Verbreitungsmöglichkeiten durch Social Media und Tourneen im Ausland sowie vor allem das Wettbieten auf dem TV-Markt um die Übertragungsrechte haben die Umsatzzahlen in diesem Zeitraum explodieren lassen. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Die englische, die spanische und die deutsche Liga - die Hauptmotoren im europäischen Fußball - haben allesamt für diese beziehungsweise die kommenden Saisonen neue TV-Verträge abgeschlossen, die noch mehr Geld in die Kassen spülen werden. Alleine die Premier League, schon bisher in diesem Bereich führend, erlöst aus den nationalen Übertragungsrechten zwischen 2016 und 2019 die Summe von 6,9 Milliarden Euro.

Dank Sponsoren obenauf


Das Sprudeln dieser Einnahmequelle ist auch der Hauptgrund für die in den vergangenen Jahren konstante Dominanz der englischen Klubs in der Umsatzliste, acht von ihnen belegen Plätze in den Top 20. Eine weitere Erklärung ist, dass die Engländer es bestens verstehen, sich als globale Marken zu positionieren, Manchester United galt dabei stets als Pionier. Schon in der ersten Ausgabe des Reports waren die Red Devils an der Spitze, ehe die Spanier sie Mitte des vergangenen Jahrzehnts von dort verdrängten. Nun aber hat der Verein in Händen der US-amerikanischen Familie Glazer die Hierarchie wieder umgedreht - und er kann dabei neben den TV-Einnahmen, die, ungewöhnlich für die englischen Klubs, nur 27 Prozent der Einnahmen ausmachen, vor allem auf die kommerziellen Quellen vertrauen. Der Vertrag mit Ausrüster Adidas bringt ab der vergangenen Saison bis 2026 rund 939 Millionen Euro ein, Chevrolet erkaufte sich den Platz an der Brust von Wayne Rooney und Co. bis 2021 um 457 Millionen Euro für sieben Jahre. Insgesamt fließen durch Werbepartnerschaften 363,8 Millionen ins Old Trafford - bei diesen Zahlen können auch Real und Barcelona nicht mit.

Hohe Schulden, teure Stars


Dennoch ist auch Manchester United nicht frei von Sorgen: Der Schuldenberg ist im Herbst laut eigenen Angaben auf 393 Millionen Euro gewachsen, der Personalaufwand enorm. Schon zuletzt führte man nicht nur die "Football Money League" von Deloitte, sondern auch die Liste der meistzahlenden Fußball-Klubs der Welt an, sportartenübergreifend entlohnten im Schnitt nur die Basketball-Teams der Cleveland Cavaliers und der Los Angeles Clippers sowie das Baseball-Franchise New York Yankees ihre Akteure noch fürstlicher. Und seit vergangenem Sommer belasten zudem die Stars Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba sowie Trainer José Mourinho die Gehaltsliste in Manchester. Sollte ihnen der Einzug in die Champions League nicht gelingen - aktuell liegen sie mit zwölf Punkten Rückstand nur auf dem sechsten Platz der heimischen Liga -, ist guter Rat tatsächlich teuer. Zudem kann kaum jemand aktuell seriös abschätzen, welche Auswirkungen der nahende Brexit auf den englischen Fußball, in den vergangenen Jahren zumindest wirtschaftlich eine vermeintliche Insel der Seligen, haben wird. Bis dahin freilich wird es noch etwas dauern. Und inzwischen kann sich United rühmen, zumindest in einer Wertung Spitze zu sein.