Wien. (art) Auch ein Transferfenster kann halb zu oder halb offen sein. Für die meisten europäischen Fußballklubs schloss es sich in der Nacht auf Mittwoch, schnell wurden noch die letzten Wechsel über die Bühne gebracht, Verstärkungen geholt oder unliebsame Spieler abgeschoben. Das ist an sich nichts Neues. Ungewöhnlich ist allerdings, dass die englische Premier League, bisher bekannt für große Investitionen und Panikkäufe, in diesem Winter erstmals einen Überschuss in ihrer Transferbilanz schrieb.

Zwar gaben die 20 erstklassigen Vereine umgerechnet laut Deloitte rund 250 Millionen für neue Spieler aus, womit das Investitionsvolumen für die gesamte Saison zuzüglich der Einkäufe im Sommer 2016 auf das Rekordniveau von 1,63 Milliarden Euro stieg, dennoch blieb ein Plus von 46 Millionen Euro übrig. Was aus wirtschaftlicher Sicht durchaus vernünftig klingt, sorgt allerdings auch für Bedenken auf der Insel. Bisher war man es dank reicher Investoren und in Rest-Europa unerreichter Erlöse aus den TV- und Marketinggeldern gewohnt, quasi nach Belieben andere Märkte aufzukaufen. Nicht nur einmal hatten die 18 Klubs der deutschen Bundesliga, die in diesem Winter in etwa ausgeglichen mit Ausgaben und Einnahmen von jeweils etwas mehr als 90 Millionen bilanzierten, geklagt, dass die Engländer ihre Spieler mit astronomischen Summen locken würden, bei denen man selbst nicht mithalten könne, und in der Folge einen Wettbewerbsnachteil befürchtet. Doch schon jetzt gilt es, sich mit einem neuen finanziellen Schwergewicht im internationalen Fußball herumzuschlagen, der dem Wort Absurdität bei den Ablösen, noch mehr aber bei den Gehaltszahlungen, eine neue Dimension verpasst.

Aufbau mit Limit


Jetzt wird der globale Markt plötzlich nicht mehr nur von englischen Pfund, sondern auch von chinesischen Yuan überschwemmt, mit denen die Spieler ins Reich der Mitte gelockt werden. Das ist auch der Hauptgrund, warum die englischen Vereine kumuliert ein Plus aufwiesen. Alleine für den Brasilianer Óscar soll Shanghai SIPG rund 62 Millionen Euro an Chelsea überwiesen haben; der Mittelständler Watford bekam mehr als 30 Millionen für den Nigerianer Odion Ighalo. Die Chinesen arbeiten gerade auf mehreren Ebenen am Aufbau des Fußballs; staatsnahe Unternehmen investieren, gefördert von der Politik, Unsummen im In- und Ausland, parallel dazu schießen Fußball-Akadamien wie die Schwammerl aus dem Boden. Allerdings hat sich zuletzt auch der dortige Verband besorgt über die Geldverschwendung gezeigt, strengere Transfer- und Gehaltsregeln beschlossen, zudem will man den Einsatz ausländischer Fachkräfte limitieren. Doch noch hat dies keine Auswirkungen auf die Investitionsfreude, bisher hat man in diesem Winter etwas weniger als 200 Millionen Euro ausgegeben. Doch das wird noch nicht alles gewesen sein. Denn in China, wo die Transferzeit noch bis Ende Februar läuft, ist das Fenster anders als im Großteil Europas noch länger offen.