Nach dem 0:4 gegen Paris Saint-Germain ist Barcelona (im Bild Neymar) auf dem Boden. - © afp/Philippe Lopez
Nach dem 0:4 gegen Paris Saint-Germain ist Barcelona (im Bild Neymar) auf dem Boden. - © afp/Philippe Lopez

Paris/Lissabon. Nach der Demütigung von Paris schrillen beim FC Barcelona die Alarmglocken. Das 0:4 beim ambitionierten französischen Meister Paris Saint-Germain im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League deckte am Dienstagabend die Schwächen der Katalanen auf. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison präsentierte sich Barça alles andere als glanzvoll. PSG gelang es jedoch, dies schonungslos zu offenbaren. Ángel di María (18., 55.), Julian Draxler (40.) und Edinson Cavani (72.) schossen die Tore für die entfesselt aufspielenden Gastgeber. Schon vor dem Rückspiel im Camp Nou am 8. März scheint das Aus von Barcelona besiegelt.

Seit 2007 stand Spaniens Fußball-Gigant in der Königsklasse zumindest im Viertelfinale. Einen Vier-Tore-Rückstand nach dem Hinspiel hat in der K.o.-Phase des Bewerbs noch keine Mannschaft aufgeholt. Kritik musste sich vor allem Trainer Luis Enrique gefallen lassen. "Das ist nicht Barça", titelte das in Barcelona ansässige Sportblatt "Sport". Die Mannschaft habe "Schiffbruch ohne Trainer" erlitten, hieß es dort. Da auch in der Liga die Titelverteidigung derzeit schwer zu realisieren scheint, dürften die Tage des 46-Jährigen als Barcelona-Trainer mit Saisonende gezählt sein. Enriques Vertrag läuft dann ohnedies aus.

Im Pariser Parc des Princes agierte er in einem TV-Interview zunächst dünnhäutig. Bei der offiziellen Pressekonferenz übernahm er dann die "volle Verantwortung". "Es war ein katastrophaler Abend. PSG war besser als wir, mit und ohne Ball. Das Resultat zeigt klar auf, wie es gelaufen ist", erklärte Enrique. Darauf angesprochen, ob er gegen das Pressing des Gegners vielleicht die falsche Taktik gewählt habe, stellte er sich vor seine Stars. "Wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen muss, dann auf mich als Trainer. Wie immer übernehme ich die volle Verantwortung. Weil die Spieler dieselben sind, die sonst gewinnen."

Barcelonas Vorstellung erinnerte an die jüngste herbe Niederlage im Europacup, das 0:4 im Champions-League-Halbfinale beim FC Bayern München 2013. Wie damals wirkten die Star-Kicker der Katalanen dem Gegner an Energie und Willen deutlich unterlegen. Barcelonas "Dreizack" mit Luis Suárez, Lionel Messi und Neymar blieb wirkungslos. Der Brasilianer war neben Torhüter Marc-Andre ter Stegen noch Barcelonas Bester, von Suárez und Messi war kaum etwas zu sehen. Barcelona, 2013 und 2015 jeweils Sieger im Viertelfinal-Duell mit PSG, gelang es gegen die perfekt eingestellten Pariser bis zuletzt nicht, ein Offensivspiel zu entfalten. Messis Genieblitze blieben aus, der Superstar fabrizierte hingegen einen Fehlpass, der zum 0:2 durch den starken Draxler führte. Retteten die Einzelaktionen in dieser Saison des Öfteren den Sieg, blieben diese in Paris dieses Mal aus. "Es gibt nichts Positives zu erwähnen. PSG war in allen Belangen besser als wir", sagte Andrés Iniesta.

Dortmund hofft aufs Rückspiel


Für Barcelona ist damit das Viertelfinale in weite Ferne gerückt - Borussia Dortmund hofft indessen nach dem 0:1 bei Benfica in Lissabon noch auf das Heimspiel am 8. März. Während bei den Portugiesen Kostas Mitroglou, ein am Niederrhein aufgewachsener Ex-Bundesliga-Profi, traf, blieb die schwarz-gelbe Tormaschine der Gruppenphase diesmal trotz zahlreicher guter Chancen wirkungslos. Vor allem der ansonsten gefürchtete Pierre-Emerick Aubameyang ließ viele Möglichkeiten aus und verschoss zu allem Überdruss auch noch einen Elfmeter.

Trainer Thomas Tuchel, der Aubameyang danach vom Feld nahm, wollte aber niemandem die Schuld geben. "Shit happens. Wir waren überragend gut, hatten viele Chancen. Für solche Tage gibt es ein Rückspiel", sagte er.