Wien. Es ist einer dieser Nachmittage, an denen man ernüchtert feststellt, dass der März kalendarisch gesehen Teil des Winters ist. Die Sonne ist zumeist von Wolken verdeckt, und da oben, auf der Marswiese, ist es ohnehin noch ein bisschen kälter. Die Sportanlage Marswiese liegt im Grenzgebiet zwischen Wienerwald und Stadtgebiet. Hier wird geklettert, gelaufen und Fußball gespielt. Am vergangenen Wochenende wurde hier die Frühjahrssaison der 2. Klasse B angepfiffen. Neben den Spielern der Heimmannschaft FC Sans Papiers sind Fußballer in schwarzen Hosen und weißen Shirts zu sehen. Auf dem Wappen der Trikots steht "Wiener-Sportclub" geschrieben. Es handelt sich dabei nicht um die Reservemannschaft des Drittligisten Wiener Sportklub. Der Unterschied liegt im Detail, genauer gesagt im Buchstaben "C". Woche für Woche treten Fans und Mitarbeiter des Regionalligavereins in der untersten Liga des Wiener Fußballverbandes an. Um zu verstehen, warum sie das tun, muss man mehr als fünfzehn Jahre zurückblicken.

Im Herbst 2001 befindet sich der dreimalige österreichische Meister Wiener Sport-Club in einem Konkursverfahren. Um sich von der Schuldenlast zu befreien, gründet das damalige Vereinspräsidium einen neuen Verein namens Wiener SK, der nach der Winterpause an Stelle des Wiener Sport-Clubs in der Regionalliga Ost weiterspielt. Von den Verbandsgremien wird der neue Verein anerkannt. Der Ursprungsverein bleibt auf den Schulden sitzen. Den Funktionären, die beim WSC blieben, gelingt es, die Verbindlichkeiten abzubauen und den Verein vor der Zwangsliquidation zu retten. Die Forderungen der Gläubiger können auch deshalb bedient werden, weil der WSK an den WSC Gebühren für die Namensrechte zahlen muss. Der neue Verein darf sich dadurch weiter Wiener Sportklub nennen. Seitdem hat sich der Sportklub in der Regionalliga etabliert, der Sport-Club sich auf andere Sektionen wie Radsport, Wasserball und Fechten konzentriert.

"Kommts zsamm!"


Die größte Schnittmenge der beiden Vereine sind die Fans, die bei Heimspielen den Regionalligisten auf der Friedhofstribüne am Sportclubplatz unterstützen. Sie sind es auch, die dafür gesorgt haben, dass die einstige Zwietracht überwunden wurde. Die Fans sehnen sich eine Rückführung des WSK in den WSC herbei. Der Fandachverband der Friedhofstribüne hat in den letzten Jahren mit der Initiative "Come Together! Kommts zsamm!" versucht, Aufmerksamkeit für das Anliegen der Rückführung zu erzeugen. "Wir alle wollen gemeinsam versuchen, wieder eine Familie, wieder ein Verein zu werden", war in der Aussendung der "FreundInnen der Friedhofstribüne" zu lesen. Am Sportclubplatz in Hernals soll wieder der Wiener Sportclub spielen.

Um diesen Wunsch, der in den vergangenen Jahren immer wieder begraben werden musste, diesmal Wirklichkeit werden zu lassen, gilt es zwei Hürden zu nehmen, die das Engagement der Fans erfordern. Die Regularien des Wiener Fußballverbandes sehen vor, dass eine Fusion zweier Vereine nur dann möglich ist, wenn beide Klubs einen Spielbetrieb aufrechterhalten. Was der Zusammenführung des WSC mit dem WSK also fehlte, war ein Fußballteam. Im Frühjahr 2016 hat der WSC beschlossen, die Fußballsektion neuzugründen. Fans, Funktionäre, Mitglieder treten seitdem Woche für Woche gegen den Ball, zwei Mal unter der Woche wird trainiert. "Es ist einfach ein herrliches Projekt und ein richtiger Fanverein", sagt Stefan Joch, einer der Spieler und seit Jahren auf der Friedhofstribüne bei Spielen des WSK anzutreffen. "Einerseits spiele ich schon aus Liebe zum Wiener Sportclub mit, andererseits auch, um zu sehen, was sportlich noch geht", sagt er.

Crowdfunding für WSK-Altlasten


Die zweite Herausforderung ist finanzieller Natur. Der WSK - der gerade erst ebenso wie die insolvente Vienna eine 9000-Euro-Spende der Wiener Austria bekommen hat - hat kolportierte Schulden von rund 300.000 Euro. Um sie abzubauen, hat man sich auf eine Drittellösung geeinigt: Ein Drittel soll ein von Fans organisiertes Crowdfunding bringen, die anderen zwei Drittel kommen von einem Sponsor, der einspringen soll, wenn die Fan-Initiative erfolgreich war. Das letzte Drittel steuert WSK-Präsident und Bauunternehmer Manfred Tromayer in Form eines Darlehens bei. Zusätzlich sind Einnahmen durch internationale Testspiele geplant.

Das Crowdfunding, das am 25. März startet, wurde unter dem Motto "onewienersportclub" von Fans ins Leben gerufen und möchte "Wienersportclub-Fans auf der ganzen Welt erreichen", sagt Marcel Ludwig, einer der Gründer der Initiative und Pressesprecher des WSK. Ludwig hat im Herbst selbst für den WSC in der 2. Klasse B die Knochen hingehalten.

WSK-Fanvertreter Sebastian Schönbauer sieht die Zielgruppe des Crowdfundings auch abseits der schwarz-weißen Anhängerschaft. "Es sollen auch befreundete, internationale Gruppen und Teams sowie alle, die etwas mit Tradition und selbstorganisiertem Fantum anfangen können, angesprochen werden", sagt er. "Die Rückführung des WSK in den WSC ist ein Bekenntnis zum Ursprungsverein. Es geht auch darum, über die Jahre entstandene Reibeflächen, die viel Energie beanspruchen, zu beseitigen", sagt Schönbauer.