Innsbruck. (may) Der Ball ist nach einer alten Sepp-Herberger-Weisheit bekanntlich rund - das Spiel der österreichischen Nationalmannschaft ist derzeit weit davon entfernt, rund zu sein. Beim freundschaftlichen Länderkampf am Dienstag in Innsbruck gegen Finnland (1:1) zeigten sich neuerlich schonungslos die Schwächen, an denen die Elf von Marcel Koller seit exakt einem Jahr laboriert: Abstimmungsschwierigkeiten hinten wie vorne, zu wenig Tempo in den Spielzügen, mangelhafte Chancenauswertung und ganz generell viel zu wenig Biss, um den Erfolg notfalls auch erzwingen zu können. Dazu gesellte sich vor allem vor der Pause eine Unordnung, die durch die bei Testspielen unter Koller mittlerweile obligatorisch gewordene Wechsel- und Umstellungsorgie bedingt ist, was dem Team naturgemäß die Sicherheit auch nicht zurückbringen vermag. Auch die neuerlich erprobte Dreierkette - die nicht einmal beim 99. der Fifa-Weltrangliste richtig funktionierte - war ein steter Unsicherheitsherd.

Dass der Teamchef auf dieses neue 3-4-3-System auch im tatsächlich vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel am 11. Juni in Irland setzen könnte, verheißt wenig Gutes, auch wenn dann im Lehrgang zehn Tage Zeit bleiben, um an dieser Alternative zu feilen. Wenn auch nur unter Trainings- und nicht unter realen Matchbedingungen. "Dass es noch nicht 100-prozentig klappt, ist auch jedem klar, und dass es Zeit braucht, bis es voll sitzt", meinte Koller am Mittwoch in seiner Matchanalyse. "Es war schon auch auf das System zurückzuführen, dass man nicht weiß, ob man angreifen oder abwarten soll." Der Schweizer sah aber eine positive Entwicklung. "Wir haben es früher schon versucht. Wir sind jetzt wieder ein bisschen weiter." Bei der EM in Frankreich hatte er im abschließenden Gruppenspiel gegen Island (1:2) alle überrascht, als er diese Umstellung vornahm (um sie nach Seitenwechsel wieder umzuwerfen). Am Freitag gab es gegen spielschwache Moldawier (2:0) vor eigenem Publikum ein Dacapo, das vor der Pause gegen Finnland prolongiert wurde. Die kampfstarken Iren mit gut 50.000 Fans in Dublin im Rücken sind aber ein ganz anderes Kaliber, wo Experimente auch voll in die Hose gehen könnten. Das weiß auch Koller, der als Bedingung für den Einsatz der Variante daher deren sicheres Funktionieren nannte.

Nicht helfen kann auf der Insel bekanntlich der Gelb-gesperrte Marko Arnautovic, der in Innsbruck nach seiner Einwechslung nicht nur das Spiel der ÖFB-Truppe ankurbelte, sondern auch den Führungstreffer besorgte. Er wird am linken Flügel, wo er zuletzt mit David Alaba gut harmonierte, schmerzlich fehlen. "Es geht für uns darum, irgendeine Formation zu finden, die standhalten kann", meinte Koller zu dem Thema.

Eine weitere Baustelle betrifft das Tor, denn den Ausgleich der Finnen per Fernschuss hätte Heinz Lindner verhindern müssen. Nach der Knieverletzung von Robert Almer und dem Rücktritt von Ramazan Özcan ist der Reservist von Eintracht Frankfurt aber trotz fehlender Spielpraxis wahrscheinlich für das Irland-Match unumgänglich. Der Ex-Austrianer strebt zwar einen Klubwechsel an, vor Saisonende wird sich aber kaum etwas tun. Koller macht Lindner aber Mut: "Es ist wichtig, dass man die Qualität hat, das ist nicht nur bei den Torhütern so. Nicht jeder Spieler hat die Qualität, Nationalspieler zu sein."

Lichtblicke gegen die Finnen waren dafür die Debütanten Florian Grillitsch und Stefan Lainer: "Für mich war das ein sehr guter Auftritt. Sie haben ruhig nach vorne gespielt. Das heißt auch für die Gestandenen, dass man sich nicht zurücklehnen kann", lobte Koller.