Barcelona. Ob sich dieses Kunststück so einfach wird wiederholen lassen? Eines wird der spanische Top-Klub Barcelona 42 Tage nach dem historischen 6:1-Sieg gegen Paris Saint-Germain im kommenden Champions-League-Viertelfinale jedenfalls wieder brauchen: ein Wunder. Müssen doch die Katalanen am Mittwoch (20.45 Uhr/ ORFeins und Sky) immerhin ein 0:3 aus dem Hinspiel gegen Italiens Meister Juventus Turin in ein positives Ergebnis umwandeln.

Die Mannschaft übt sich indes in Zweckoptimismus. Wortführer ist einmal mehr Neymar, der seinen Mannen einbläute: "Wir müssen daran glauben, dass wir es schaffen können." Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Erst am 8. März hatte Barcelona vor rund 100.000 Zuschauern in Camp Nou eine 0:4-Blamage gegen Paris St. Germain aus dem Hinspiel ausgebügelt, diesmal wird die Aufgabe trotz eines Tores weniger, das das Team aufholen muss, wohl noch schwieriger. Denn der italienische Rekordmeister kann sich anders als die Franzosen auf ein solides Abwehr-Bollwerk verlassen, das dieser Bezeichnung gerecht wird.

Schließlich agiert die Alte Dame hier derzeit in Bestform. Angeführt wird die Turiner Hintermannschaft freilich von Torhüter-Legende Gianluigi Buffon. Der 39-Jährige hat in seinen 147 Europacup-Spielen erst einmal, vor 14 Jahren, ein bitteres Resultat mitverantworten müssen, das Barcelona noch den Aufstieg bringen würde. Gegen Manchester United setzte es in der Champions-League-Zwischenrunde im Februar 2003 eine 0:3-Heimschlappe.

Barcelona dagegen hat seine Stabilität in der Defensive zuletzt vermissen lassen. In den vergangenen drei Pflichtspielen hat der Champions-League-Sieger der Saison 2014/15 stets zumindest zwei Tore kassiert: 0:2 gegen Malaga, 0:3 in Turin, 3:2 gegen Real Sociedad. Gelingt Juventus zumindest ein Treffer, müsste Barcelona mit vier Toren Unterschied gewinnen. Das wird schwierig genug: Einmal erst hat Buffon in der Champions League binnen 90 Minuten viermal hinter sich greifen müssen, 2009/10 beim 1:4 in Gruppenphase gegen Bayern München.

Für Ex-Juve-Goalgetter Gianluca Vialli sind die Turiner "aktuell die beste Mannschaft in Europa". Trotzdem zeigte sich die Elf von Trainer Massimiliano Allegri vorsichtig. "Ich weiß nicht, ob das 3:0 ausreichen wird", meinte auch Higuaín. "Barça hat gegen Paris St. Germain gezeigt, dass die Mannschaft in der Lage ist, Wunder zu vollbringen, also passen wir auf - aber sie müssen auch auf uns aufpassen."

"Es gibt nur einen Messi"


Neymar glaubt trotz allem daran. Dem Gegner zollt er dennoch Respekt. "Juventus ist eine großartige Mannschaft, und es wird schwer sein, die Partie noch einmal rumzudrehen", sagte der Brasilianer, der gegen die Pariser mit zwei Toren und einem Assist glänzte. Zudem gab sich auch Barça-Trainer Luis Enrique am Sonntag kämpferisch: "Wir sind in allen Bewerben noch am Leben und werden bis zum Ende kämpfen." Das ist auch nötig, wird doch der scheidende Coach voraussichtlich auf Javier Mascherano, der am Montag wegen einer Wadenverletzung nicht am Training teilnahm, und auf Refinha und Aleix Vidal verzichten müssen. Erleichterung herrscht dagegen im Juventus-Lager, seitdem klar ist, dass das neue Juwel nun doch dabei sein wird. Paulo Dybala hatte sich am Wochenende in der Liga am Knöchel verletzt, ist aber wieder fit. "Ich werde gegen Barcelona hundert Prozent geben", versprach der 23-Jährige.

Im Hinspiel war Dybala dank eines Doppelpacks der Sieggarant und hat sogar seinen Landsmann Lionel Messi in den Schatten gestellt. Vergleiche mit dem Superstar lehnt er aber ab. "Ich kann zwar die Erwartungen der Argentinier an mich verstehen, aber ich will weder der neue Messi noch der künftige Messi sein. Messi gibt es nur einmal, genau wie Maradona", sagte Dybala.