Nyon. Was im Erwachsenenfußball derzeit undenkbar scheint, ist am Montagabend im Endspiel der Uefa-Youth League in Nyon Realität geworden: Das U19-Team von Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg die UEFA Youth League gewonnen. Die "Jung-Bullen" siegten im Endspiel in Nyon gegen Benfica Lissabon mit 2:1 (0:1). Die Treffer zum Triumph im wichtigsten europäischen Nachwuchs-Clubbewerb erzielten die "Joker" Patson Daka (70.) und Alexander Schmidt (75.). Ze Gomes hatte Benfica in der 29. Minute in Führung gebracht.

Der Sieg ist zu einem großen Teil einem Projekt geschuldet, das vor einigen Jahren noch heftig umstritten war: der Red-Bull-Akademie in Liefering.

Hier finden Fußball- (und Eishockey-)Talente ab der U15 Bedingungen vor, die sportwissenschaftlich und infrastrukturell auf modernstem Stand sind und den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Nicht umsonst hat die Salzburger Auswahl in diesem relativ jungen Bewerb für U19-Mannschaften, dem Pendant zur Champions League für diese Altersklasse, auf dem Weg ins Finale Mannschaften wie Manchester City, Paris Saint-Germain, Atlético Madrid und in der Vorschlussrunde am Freitag mit einem 2:1 den FC Barcelona ausgeschaltet, der über die in den vergangenen Jahren vielleicht berühmteste Fußball-Akademie La Masia verfügt.

Schon mit der Teilnahme am Final-Turnier der besten vier Mannschaften hat die Mannschaft von Trainer Marco Rose für Furore gesorgt - und die seit 2005 geplante, aber nach Schwierigkeiten mit den Behörden erst 2014 eröffnete Akademie im nördlichen Salzburger Stadtteil international in den Fokus gebracht.

Buhlen um die Jungen

Kolportierte 50 Millionen Euro soll Red Bull in die Infrastruktur gesteckt haben (konkrete Zahlen werden vom Getränkehersteller nicht genannt); rund 100.000 Quadratmeter misst das gesamte Areal. Hier stehen sieben Fußball-Felder zur Verfügung, darunter auch eine temperierte Kunstrasen-Halle, damit zu jeder Jahreszeit optimale Trainingsmöglichkeiten gewährleistet sind. Das Hauptgebäude misst 12.330 Quadratmeter. Hier sollen die jungen Spieler auf den Profisport vorbereitet werden. Dass dies mehr als eine leere Worthülse ist, beweist unter anderem die Tatsache, dass ein Großteil des U19-Kaders regelmäßig beim Erste-Liga-Klub FC Liefering spielt, einige sogar schon die Luft im A-Team Salzburgs schnuppern durften.

Willi Ruttensteiner, Sportdirektor des österreichischen Verbandes, ist sicher, dass die Akademie nicht nur für den kurzfristigen Erfolg der Salzburger Jungkicker verantwortlich ist, sondern sich im nächsten Jahrzehnt "massiv auf den österreichischen Fußball" auswirken werde, wie er schon vor dem Finalturnier zur Austria Presse-Agentur sagte. Zwar haben auch die anderen heimischen Klubs mit ihren Nachwuchsschmieden in den vergangenen Jahren aufgerüstet, dennoch nimmt Liefering wohl über längere Zeit eine Sonderstellung ein. Dies hat freilich auch den Nebeneffekt, dass talentierte Spieler von den Jugendabteilungen anderer Vereine teilweise recht offensiv abgeworben werden. "Die Situation, dass Klubs national, aber auch international um Spieler kämpfen, kann man nicht beeinflussen. Es ist ein Wettbewerb um die Besten, den wir nicht ausschalten können", meinte Ruttensteiner.

Die Youth League dürfte die Salzburger nun noch weiterbringen - nicht nur im fußballerischen Bereich, sondern auch in allen Nebenfacetten. Für die Final-Four-Teilnehmer standen am Wochenende auch Workshops zu den Themen Anti-Doping, Umgang mit Schiedsrichtern sowie mit Medien (inklusive Internet-Plattformen) auf dem Programm. Auch für Trainer Rose stand bei allem Ehrgeiz das Erlebnis im Vordergrund: "Wenn dir das als jungem Spieler nicht irgendwann weiterhilft, weiß ich auch nicht", sagte er.