Madrid. (rel) So sieht man sich wieder. Im Vorjahr war der Madrider Gipfel noch das Duell um den Sieg in der Champions League gewesen. Heuer gibt es den Schlager zwischen Real Madrid und Atlético bereits im Halbfinale. Und die Statistik sprach im Vorfeld des Hinspiels am Dienstag im Estadio Santiago Bernabéu klar für Real. In den vergangenen drei Jahren hatten die Königlichen gegen Atlético in der Champions League jeweils stets die Oberhand gehabt. 2014 (4:1 nach Verlängerung) und 2016 (5:3 im Elferschießen nach einem 1:1) hatte Real das Finale gewonnen, 2015 Atlético in einem knappen Viertelfinale gesamt mit 1:0 besiegt.

Dass es gegen den Hauptstadtrivalen in der Königsklasse nicht so gut lief, war den Akteuren bei Atlético bei diesem brisanten Semifinal-Hinspiel egal. Real werde sich noch auf einen "heißen Tanz" gefasst machen müssen, tönte es aus der Mannschaft. "Real ist Favorit, aber wir können das schaffen, was keiner Atlético-Generation vor uns gelungen ist, und haben keine Angst", sagte etwa Atlético-Stürmer Fernando Torres. Der Tanz im Bernabéu sollte tatsächlich heiß werden, nur mit keinem guten Ausgang für die Gäste.

Zwar störte Atlético Real beim Spielaufbau von Anfang an massiv und schenkte keinen Zentimeter her. Die Torchancen hatten aber die Königlichen: Etwa als Diego Carfajal nach Doppelpass mit Isco mit dem Außenrist abschloss, Atlético-Goalie den Ball abprallen ließ und Karim Benzema das Tor verfehlte (7. Minute). Folglich war auch der Treffer zum 1:0 drei Minuten später keine Überraschung - genauso wenig auch der Name des Torschützen: Cristiano Ronaldo. Die Flanke von Casimero passte einfach perfekt, sodass der Portugiese nur noch den Kopf hinhalten musste. Es war sein 101. Treffer in der Königsklasse - Rekord.

Atlético reagierte zunächst wie paralysiert, Real war spielbestimmend und kam sogar dem 2:0 gefährlich nahe, so etwa durch Luka Modric, als er den Ball am langen Eck vorbeiknallte (24.). Ein Lebenszeichen Atléticos gab nur in Minute 17, als plötzlich Kevin Gameiro nach einem Traumpass allein vor dem Kasten von Real-Keeper Kaylor Navas auftauchte, aber am Costaricaner scheiterte. Und mit Ausnahme eines interessant über die Mauer gelupften Freistoßes von Antoine Griezman auf Diego Godín, der allerdings die Kugel nicht mehr zur Mitte brachte (32.), kam nicht mehr viel nach. Die Statistik - 247 zu 104 Pässen, 66 zu 34 Prozent Ballbesitz - sagte auch schon alles. Fazit zur Pause: Real führte nicht nur verdient, sondern war auch die klar bessere Mannschaft.

Daran änderte sich auch nach Wiederanpfiff nichts. Die Königlichen machten das richtig gut und hinderten Atlético mit Erfolg daran, offensiv den Fuß in die Tür zu bekommen. Dabei brauchte man den Ausgleich und das damit verbundene Auswärtstor so dringend wie einen Bissen Brot. Coach Diego Simeone fuhr alle Geschütze auf, stellte auf ein 4-3-3-System um, wechselte zweimal, aber das Momentum blieb auf der Seite der Gastgeber - genauer gesagt wieder einmal bei Ronaldo, der erst einen Stellungsfehler ausnutzend an den Ball kam und vom 16er aus im Netz von Atlético zum 2:0 versenkte (73.) und den Sack nach Pass von Lucas Vazquéz mit einem Schuss aus nächster Nähe zumachte (86.). Tor Nummer zwei und drei für Real, und das 102. und 103. für den Portugiesen. Für Atlético war dieser Tanz klar zu heiß. Der Grund heißt: Ronaldo.