Christoph Westerthaler (Bild) soll mit Nihad Pejkovic den Abstieg abwenden. - © Ph. Philipp Schalber/Diener
Christoph Westerthaler (Bild) soll mit Nihad Pejkovic den Abstieg abwenden. - © Ph. Philipp Schalber/Diener

Wiener Neustadt/Horn. (art) Es war die Sensation des Fußballsommers 2015, internationale Medien brachten seitenfüllende Berichte: Keisuke Honda, Spieler des großen AC Milan, Star des japanischen Nationalteams, steigt mit seinem Familienunternehmen Honda Estilo beim SV Horn, einem österreichischen (damaligen) Drittligisten ein; "Japaner erobern Niederösterreich", titelte die "Süddeutsche Zeitung". Während kritische Betrachter sich schon damals fragten, was denn ausgerechnet er in den Niederungen des österreichischen Fußballs, bei einem Verein aus der Waldviertler Provinz, zu suchen habe, betonte man dort die Seriosität der Partnerschaft. Honda, der 49 Prozent des Vereins übernahm, ist schließlich nicht irgendein Gauner, er betreibt Fußballschulen in ganz Japan und wolle den dortigen Absolventen den Sprung nach Europa erleichtern.

Und für den SV Horn erschlossen sich ganz neue Perspektiven: Schon beim ersten Heimspiel sahen per Livestream 20.000 Japaner zu nachtschlafener Zeit zu, damit erreichte man ein Publikum ungeahnten Ausmaßes; in Folge wollte man auch internationale Sponsoren anziehen, von der Regionalliga in die Bundesliga und von dort irgendwann in den Europacup durchmarschieren, selbst Träume von der Champions League geisterten durchs verschlafene Waldviertel. Heute, nicht einmal zwei Jahre später, sind diese wohl endgültig oder zumindest auf lange Zeit geplatzt. Die internationale Aufmerksamkeit hat man sich zwar ebenso geholt wie in der Vorsaison den Aufstieg in die zweitklassige Erste Liga, von dort könnte es nun aber wieder hinunter gehen. Vor dem Spiel der 33. Runde bei Wiener Neustadt am Freitag (18.30 Uhr) liegen die Horner nur drei Punkte vor dem Tabellenschlusslicht FAC, das ihnen zuletzt mit einem 2:0-Sieg im direkten Duell gefährlich nahegerückt ist. Infolge dieser Entwicklung wurde am Mittwoch auch Trainer Masanori Hamayoshi vor die Tür gesetzt. Dass er überhaupt gekommen war, hatte schon im April des vergangenen Jahres Argwohn hervorgerufen: Der SV Horn befand sich damals unter dem bisherigen Trainer Hans Kleer nur einen Punkt hinter Ostliga-Tabellenführer Vienna auf Platz zwei, hatte also beste Aufstiegschancen. Da sportliche Gründe für den Abschied Kleers also nicht nachvollziehbar waren, wurde befürchtet, die Japaner wollen ihren Einfluss vergrößern und den Klub von der Basis weiter entfremden.

Zurück zu den Wurzeln


Immerhin gelang unter Hamayoshi der Aufstieg, auch jetzt will niemand im Verein ein schlechtes Wort über ihn verlieren. Da es aber nicht gelungen sei, sich "nachhaltig aus den unteren Tabellenregionen zu verabschieden", sah man sich zu diesem Schritt gezwungen, teilte der Verein mit. Unter dem Interims-Trainer-Duo Nihad Pejkovic/Christoph Westerthaler will man nun den Klassenerhalt schaffen - doch auch wenn die Chance darauf intakt ist, plagen die Horner noch ganz andere Sorgen, die hausgemacht wie die berühmten Waldviertler Schmankerl sind und dennoch ebenfalls mit der Japan-Connection zu tun haben: Weil lange Zeit Uneinigkeit über die künftige Ausrichtung des Vereins herrschte, konnte man nämlich wichtige Lizenzunterlagen erst verspätet abgeben - und fiel in erster Instanz durch. Obmann Rudolf Laudon ist aber zuversichtlich, die Spielgenehmigung für die kommende Saison zu erhalten, nachdem alles nachgereicht werden konnte. Das Protestkomitee wird bis 13. Mai eine Entscheidung treffen.

Laudon gestand gegenüber der Austria Presse Agentur eine eigene Schuld ein, hofft aber "aufgrund unserer blütenweißen Vergangenheit" auf Milde bei einer möglichen Strafe wegen des Verzugs. Laut Bundesliga-Vorstand Reinhard Herovits reichen die möglichkeiten Sanktionen von einer Verwarnung über eine Geldstrafe bis hin zu einem Punkteabzug für die kommende Saison - falls überhaupt sportlich der Klassenerhalt geschafft wird.

So oder so ist eine Kostenreduktion geplant, das japanische Investment wird zurückgefahren, und statt auf eine Vielzahl ausländischer Spieler will man nun wieder vermehrt auf eigene Nachwuchskräfte sowie Bodenständigkeit und Regionalität setzen. Nicht alle dürften unglücklich darüber sein.