Der Weg in die Champions League 2017/18 - © WZ-Grafik
Der Weg in die Champions League 2017/18 - © WZ-Grafik

Wien/Rijeka. (art) Eine ausgelassene Feier in München, wo der FC Bayern ohnehin schon als Meister feststand, Jubel in Madrid und in Turin: Erwarte das Erwartbare, hieß es in Europas großen Fußball-Ligen, in denen am Wochenende die nationalen Titel vergeben beziehungsweise abschließend begossen wurden. Auch wenn in Spanien zuletzt meist der FC Barcelona die Nase gegenüber dem Erzrivalen vorne hatte, war der Erfolg Reals alles andere denn eine Sensation. Doch abseits der großen Fußball-Bühnen Spaniens, Deutschlands, Englands und Italiens ereignete sich dieser Tage etwas, das durchaus als historisch bezeichnet werden kann: In Kroatien kürte sich erstmals der HNK Rijeka zum Champion - er ist zugleich der erste Meister, der nicht Dinamo Zagreb heißt, seit 2005.

Dem Hauptstadtklub, der seit der Gründung der kroatischen Liga 1992 mit 18 Meistertiteln der überragende Verein war - sechsmal gewann Hajduk Split, einmal NK Zagreb - bleibt damit im direkten Aufeinandertreffen am kommenden Samstag nur die Rolle des Gratulanten. Nach einem 4:0 am Sonntag zu Hause gegen den Tabellenvorletzten Cibalia Vinkovci hat Rijeka fünf Punkte Vorsprung und kann damit nicht mehr von der Spitze verdrängt werden. Für Alexander Gorgon, der im vergangenen Sommer von der Austria in die Adriastadt gewechselt ist, hat sich der Schritt damit bezahlt gemacht. Mit zwölf Treffern hatte der 28-Jährige, der am Sonntag in der 58. Minute ausgewechselt wurde, maßgeblichen Anteil am größten Coup des von Matjaz Kek betreuten Vereins, der damit erstmals Angriff auf die Champions League nehmen wird.

Bisher war das Erreichen der Gruppenphase der Europa League das Höchste der Gefühle für den Klub, dessen Marktwert von transfermarkt.de auf 27,10 Millionen Euro taxiert wird. Zum Vergleich dazu: Der Kader von Dinamo wird auf 60,40 Millionen Euro geschätzt, jener von Österreichs Meister Salzburg auf 36,40 Millionen Euro. Doch sowohl für den rot-weiß-roten als auch für den kroatischen Meister ist es noch ein weiter Weg, erstmals (im Falle Salzburgs in der Red-Bull-Ära) in die Champions League einzuziehen. Als Vertreter einer kleineren Liga - jene in Kroatien ist vom Niveau her in etwa mit jener Österreichs vergleichbar, auch wenn das Leistungsgefälle dort noch stärker ausgeprägt ist - steigt man jeweils in der zweiten Qualifikationsgruppe ein und ist dort ebenso gesetzt wie die Meister aus Schottland, Dänemark, Bulgarien, Weißrussland, Zypern, Slowenien, Aserbaidschan, Schweden, Kasachstan, Serbien, Norwegen und Israel.

Die möglichen Gegner dieser Mannschaften sind die Sieger der ersten Qualifikationsrunde oder aus noch kleineren Fußball-Nationen - wobei man mit dem Begriff Fußball-Exot vorsichtig sein sollte: Schließlich hat sich der vermeintliche Zwerg Düdelingen, der als Meister Luxemburgs wieder zum potentiellen Kreis der Zweitrundengegner zählt, schon einmal als zu hohe Hürde für Salzburg erwiesen. In der dritten Qualifikationsrunde steigen weitere Erste beziehungsweise Zweite aus Ligen ein, die in der für die Vergabe der Startplätze relevanten Uefa-Fünfjahreswertung besser placiert sind. Sie alle haben dann noch ein Play-off vor sich, in dem zusätzlich die Vierten der spanischen Primera-División, der Premier League, der deutschen Bundesliga sowie der Dritte der italienischen Serie A und Portugals dazukommen.

In der Gruppenphase sind neben den Qualifikanten sowie den Meistern aus den Ligen, die in der Uefa-Rangliste auf den Plätzen eins bis 12 liegen, auch die sechs Zweitplacierten aus den Top-Sechs-Nationen sowie die Dritten der Top Drei, also Spanien, Deutschland und England, dabei. Auch hier fiel nun eine Entscheidung, die es nicht alle Tage gibt: Chelsea, Tottenham und Manchester City sind fix in der Gruppenphase, Liverpool darf in die Qualifikation, und auch Manchester United, in der Liga nur Sechster, darf auf den Umweg Europa-League-Finale hoffen. Der Sieger dieses Bewerbs ist ebenfalls dabei. Arsenal dagegen verpasste erstmals seit 20 Jahren die Champions League und muss mit der Europa League vorlieb nehmen.