Wien. Das 2:2-Remis im 322. Wiener Derby hat am Sonntag nur einen Klub zufriedengestellt. Während Rapid im Allianz-Stadion einem sicher geglaubten Sieg nachtrauerte, bejubelte man im Lager der Austria den Punktgewinn als Erfolg und ortete nach dem verpatzten Saisonstart eine Trendwende. Die Aufholjagd nach dem 0:2-Rückstand erfüllte vor allem Coach Thorsten Fink mit großer Genugtuung. "Für uns ist das wie ein gefühlter Sieg", sagte er. Das Resümee von Rapid-Coach Goran Djuricin hörte sich freilich anders an. Kein Wunder, wie schon beim 2:2 zum Liga-Auftakt gegen Mattersburg vor zwei Wochen hat seine Elf einen 2:0-Vorsprung verschenkt. "Ich fühle mich so, als ob wir 0:3 verloren hätten", erklärte Djuricin. "Darüber müssen wir reden, ich habe keine Ahnung, was da in der Mannschaft vorgeht."

Zu reden wird auch über das Verhalten einiger Spieler sein. Als sich Austrias Raphael Holzhauser in der Schlussphase bei der Ausführung eines Eckballs viel Zeit ließ, flogen Gegenstände auf den Rasen, zudem brachte das den wenige Meter von ihm entfernten Rapid-Ersatzspieler Steffen Hofmann zur Weißglut. Es kam zum Disput, der Grün-Weiße verhöhnte den Violetten angeblich als weinerlich und drückte ihm erzürnt den Ball in die Hand. Schiedsrichter Alexander Harkam sah von einer fälligen Verwarnung Hofmanns aber ab, um laut eigenen Angaben eine weitere Eskalation der Lage - die Spieler wurden für einige Minuten in die Kabine geschickt - zu vermeiden.