Tel Aviv. (apa/art) Er hat die Ehre und die Bürde zugleich, dass sein Vater eine der prägendsten Persönlichkeiten im Fußball war, war selbst Zeit seiner aktiven Kickerkarriere einer der größten Wandervögel desselben. Beim israelischen Spitzenverein Maccabi Tel Aviv ist Jordi Cruyff nun, wie es scheint, sesshaft geworden. Am Donnerstag soll nach dem 1:0 im Hinspiel des Europa-League-Play-offs gegen den SCR Altach vor eigenem Publikum (19 Uhr) wie im Vorjahr der Aufstieg in die Gruppenphase gelingen.

Neben dem Auswärtstor haben Cruyff und die Seinen auch den Heimvorteil auf ihrer Seite - obgleich das Spiel aufgrund der Umbauarbeiten der eigentlichen Heimstätte, des Bloomfield-Stadions in Jaffa, im 30 Kilometer nördlich von Tel Aviv gelegenen Netanya ausgetragen wird und die Generalprobe ebendort am Wochenende mit 0:3 gegen Beitar Jerusalem verloren gegangen ist. "Es ist ein sehr wichtiges Spiel für uns. Wenn wir nicht aggressiv genug sind, werden wir Probleme haben", sagte Cruyff vor der Begegnung mit den Vorarlbergern, für die es laut Trainer Klaus Schmidt "das Spiel des Jahres" ist. In Cruyff steht ihm ein Trainer gegenüber, der schon so einiges erlebt hat. Der Grundstein für seine nomadische Ader scheint schon in früher Kindheit gelegt worden zu sein.

Turbulente Karriere

Jordi kam auf Wunsch seines Vaters in Amsterdam zur Welt, obwohl Johan Cruyff im Februar 1974 schon beim FC Barcelona spielte. Die Familie lebte erst in Katalonien, nach einem gescheiterten Kidnapping-Versuch dann in Washington und Los Angeles, wo Cruyff als eines der Zugpferde der North American Soccer League (NASL) kickte, sowie anschließend in Amsterdam, ehe Jordi bei der Rückkehr nach Barcelona 1988 in die berühmte Barça-Akademie kam. Von dort aus nahm eine Laufbahn einen Ausgang, während der nach dem katalanischen Schutzheiligen benannte Jordi unter anderem für zwei der größten Klubs der Welt - den FC Barcelona und Manchester United - spielte, seine Zelte an verschiedenen Orten in England, Spanien, Malta, der Ukraine, Zypern und Israel aufgeschlagen und zwei Länder repräsentiert hat. In Erinnerung ist auch noch sein Ausgleich zum 4:4 für CD Alavés im Uefa-Cup-Finale gegen den FC Liverpool 2001 in der 89. Minute, mit dem er das letztlich mit 4:5 verloren gegangene Spiel in die Verlängerung schickte.

In Tel Aviv sitzt er erst seit Jänner dieses Jahres auf der Bank; als seit 2012 amtierender Sportdirektor, unter dem sich bald Erfolge einstellen sollten, hatte er sich selbst zum Trainer ernannt. Zuletzt kamen immer auch Gerüchte über eine Rückkehr nach Barcelona auf. Vorerst konzentriert er sich aber auf seine Aufgabe in Tel Aviv. "Ich gehe in mein sechstes Jahr bei dem Klub und bin mir der Erwartungen der Eigentümer und der Fans sehr bewusst. Ich bin entschlossener als je zuvor, die Erwartungen zu erfüllen", sagt er. Trotz allem Ehrgeiz - Vergleiche mit Johan lehnt er ab: "Mein Vater war eine Legende, ich bin ein Sterblicher".

Europa-League-Play-off, Rückspiele, Donnerstag:

Salzburg - Constanta19.00 Uhr, HS 3:1
M. Tel Aviv - Altach19.00 Uhr, HS 1:0
Austria - Osijek21.05 Uhr, HS2:1
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