Wien. (may/apa) Wer folgt Belgien aus den europäischen WM-Qualifikations-Gruppen vorzeitig Richtung Russland? Zwei Spieltage vor Schluss ist aus Europa tatsächlich erst ein Startplatz fix vergeben - die zwölf restlichen werden bis Mitte November (Play-off-Partien) ausgematcht. Am Donnerstag könnten aber schon zwei prominente Namen auf den WM-Zug aufspringen: Titelverteidiger Deutschland und Ex-Weltmeister England können in Nordirland beziehungsweise vor eigenem Publikum gegen Slowenien den entscheidenden Schritt zum Gruppensieg setzen. Als Dritter im Bunde steht auch Polen (in Armenien zu Gast) vor der erfolgreichen Qualifikation.

Die besten Chancen hat freilich der bisher ohne Makel auftretende Weltmeister, dem gegen den wahrscheinlichen Play-off-Teilnehmer Nordirland am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) bereits ein Remis reicht. Zweifel an der Teilnahme der Deutschen bei der Endrunde 2018 waren aber ohnedies nie wirklich angebracht. Der vierfache Titelträger spulte sein Gruppe-C-Programm souverän herunter, holte bisher acht Siege in ebenso vielen Spielen, mit dem fulminanten Torverhältnis von 35:2. Nun geht es darum, die weiße Weste zu behalten. "An unserem Ziel, zehn Siege einzufahren, halten wir fest", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor der Reise nach Belfast. "Die Mission ist, dass wir alle Spiele gewinnen", ergänzte sein Assistent Thomas Schneider. Dies war Löw mit der DFB-Auswahl zuletzt vor der EM 2012 gelungen. Allerdings muss er im Windsor-Park außer Leipzigs Timo Werner Stammkräfte wie Manuel Neuer, Mesut Özil, Sami Khedira und Mario Gomez vorgeben.

England indes benötigt im Wembley-Stadion einen Sieg, um in Gruppe F bereits vor dem Gruppenfinale auswärts in Litauen alles klar zu machen. Gegen die drittplatzierten Slowenen, die ihrerseits noch um den Play-off-Platz kämpfen, fehlt Dele Alli. Anstelle des nach einer obszönen Geste gesperrten Tottenham-Profis soll dessen Klubkollege Harry Kane die Engländer beflügeln. Der 24-jährige Angreifer befindet sich in der Premier League in Hochform, hat in den jüngsten sieben Spielen sechs Tore erzielt. Kane ist damit auf gutem Weg, sich zum dritten Mal in Folge die Torschützenkrone in Englands Oberhaus zu sichern. "Er trifft und trifft, mehr kann man nicht erwarten. Er soll damit im englischen Trikot noch lange weitermachen", sagte Nationaltorhüter Joe Hart. Auf einen Sieg der Engländer hofft in dem engen Qualifikations-Rennen auch Nachbar Schottland. Die Bravehearts könnten sich dann nämlich mit einem Erfolg über die Slowakei in Glasgow auf den zweiten (Play-off-)
Platz setzen. Am Sonntag steht für die auf ihre erste Teilnahme an einem Großturnier seit 1998 hoffenden Schotten schließlich der finale Auftritt in Slowenien auf dem Programm.

Polen wiederum zählt in Armenien neuerlich auf die Trefferkünste von Robert Lewandowski (zwölf Tore in Gruppe E), um erstmals seit 2006 wieder zu WM-Ehren zu gelangen. Falls der Tabellenführer, der drei Punkte vor seinen Verfolgern liegt, gewinnt und Montenegro und Dänemark im direkten Duell remisieren, ist er vorzeitig qualifiziert. Sonntag ist Polen in Warschau gegen die Montenegriner im Einsatz, Dänemark empfängt dann Rumänien. Für Montenegro ist bereits die Partie in Podgorica gegen die Dänen am Donnerstag ihr Endspiel. Die kleine Balkan-Nation peilt ihren ersten Auftritt bei einer Endrunde seit der Unabhängigkeit 2006 an - zumindest der Play-off-Platz scheint für die Falken in Reichweite.

Messi soll es richten

Play-off spielen hieße es momentan auch für Vize-Weltmeister Argentinien, der sich durch die südamerikanische Qualifikation quält und zwei Runden vor Schluss nur den fünften Tabellenrang bekleidet - der ein Duell mit Ozeanien-Vertreter Neuseeland zur Folge hätte. Damit Lionel Messi und Co. eine derartige Extrarunde erspart bleibt, braucht es am Donnerstag gegen Peru und fünf Tage später in Ecuador unbedingt Siege. Zwischen dem Zweiten Uruguay und dem Achten Ecuador liegen gerade einmal sieben Punkte. Ecuador könnte es mit zwei Siegen im besten Fall noch auf Platz drei schaffen, Argentinien sogar noch Zweiter werden - oder im schlimmsten Fall sogar scheitern. "Jetzt ist es kompliziert geworden. Es ist sehr eng", meinte Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli. Durch ist einzig Rekordchampion Brasilien.