Wien/Marbella. (may) Bei der Bekanntgabe des Kaders vergangenen Donnerstag war seine Nominierung noch eine Selbstverständlichkeit gewesen - umso mehr irritierte dann am Sonntag sein plötzlicher Rücktritt: Die Rede ist von Martin Harnik, der unmittelbar vor der Abreise ins erste Team-Trainingslager von Franco Foda in Marbella das Ende seiner zehn Jahre währenden Nationalteam-Karriere bekanntgab. Das, obwohl Foda den 30-jährigen Legionär von Hannover 96 als wichtigen Bestandteil der künftigen ÖFB-Offensive angesehen hätte, wie der Noch-Sturm-Trainer erklärte: "Sein Entschluss ist sehr schade, er hat in meinen Planungen eine große Rolle gespielt. Als Teamchef muss ich seine Entscheidung respektieren und akzeptieren." Akzeptieren muss Foda auch den Ausfall zweier weiterer Leistungsträger für seine Teamchef-Premiere am 14. November gegen Uruguay in Wien: Nach jener von Watford-Legionär Sebastian Prödl kam am Montag auch die Absage von Bayern-München-Star David Alaba, der wegen Oberschenkelproblemen - erlitten im Schlager gegen Dortmund, wo er den dritten Treffer der Münchner erzielte (Endstand 3:1) - passen muss. Somit wird man vorerst auch nicht wissen, welche Team-Rolle nun Foda für den 25-Jährigen vorgesehen gehabt hätte.

Es läuft also weiterhin alles andere als perfekt im ÖFB-Team, das sich bis Sonntag unter spanischer Sonne eigentlich dem Unternehmen Neustart widmen wollte. Statt der drei Verhinderten wurden übrigens Stefan Lainer, Dominik Wydra und Stefan Schwab nachnominiert. Zumindest eine positive Marketingmeldung gab es am Montag: Das neue Teamtrikot von Ausrüster Puma ist ab sofort im Handel erhältlich - die Querstreifen sind wieder passé, dafür gibt es ein Alpenmuster im Bauchbereich und dunkelrote Ärmel. Ob es wie sein Vorgängermodell reißenden Absatz finden wird, hängt freilich von der Form der Nationalelf (und der Teilnahme an der Euro 2020) ab.

Harnik, der es schon zur EM 2008 getragen hatte, wird es jedenfalls nicht mehr überstreifen. Der 68-fache Internationale war zehn Jahre im Nationalteam und erzielte für Rot-Weiß-Rot 15 Treffer. Der 30-Jährige nannte rein persönliche Gründe - Familie und Gesundheit - für sein vorzeitiges Team-Aus, so wie erst drei Wochen zuvor Alters- und Mittelfeldkollege Zlatko Junuzovic. "Ich spüre, dass ich die Belastung aus den Spielen nicht mehr so wegstecke wie noch vor einigen Jahren. Um meine beste Leistung abrufen zu können, muss ich besser und länger regenerieren. Das ist der Hauptgrund für diesen Entschluss, auch wenn er super-schwer war", meinte der gebürtige Hamburger, der in seiner Klub-Karriere ausschließlich in Deutschland gespielt hat. Den Zeitpunkt seines Rücktritts hält Harnik allerdings nicht für unglücklich, sondern für konsequent. "Mit dem Neuanfang im Team möchte ich Platz für neue Spieler machen."

"Basislager für Erfolge"

ÖFB-Präsident Leo Windtner sieht das Trainingslager trotz der aktuellen Probleme und der vielen Querelen zuletzt als große Chance. "Es soll das Basislager für den Aufstieg zu alten Erfolgen sein", sagte der Oberösterreicher, der am Sonntag nicht in den Flieger nach Spanien stieg. Sehr wohl dabei ist der neue ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel. "Es ist ein erstes Kennenlernen, sowohl was den Teamchef als auch den Sportdirektor betrifft. Es bietet die Möglichkeit, aufeinander zuzugehen, um den bewährten Teamspirit zu aktivieren", so Windtner. Vor diesem Hintergrund sei es gut möglich, dass in Spanien die zwischenmenschliche Komponente Vorrang gegenüber dem Feilen an Spielsystemen erhält. "Es fällt in die Verantwortung des Teamchefs, inwieweit er mit taktischen Varianten und Neuerungen auf die Spieler zukommt. Das Wesentliche ist, dass der Betreuerstab unter der neuen Führung mit der Mannschaft eine Einheit ergibt." Sollte das gelingen, wäre auch ein gutes Ergebnis gegen Uruguay möglich. "Dieses Match hat unter dem Aspekt der neuen sportlichen Führung einen besonderen Anstrich. Man wird alles tun, um gut wegzustarten und die Fans aufs Neue zu begeistern", sagte Windtner, der vor dem Duell mit Uruguay zur Mannschaft sprechen und auch eine intensive Unterredung mit Foda führen will.