Athen. Sportlich läuft es für den Damir-Canadi-Klub Atromitos Athen so rund wie nie zuvor. Die Blau-Weißen führen unter dem im Sommer angeheuerten österreichischen Fußball-Lehrer nach zehn Spieltagen Griechenlands 16Vereine umfassende Super League an. Eine kleine Sensation. Doch nun muss sich dessen omnipotenter Klubpräsident und -eigner vor einem Athener Gericht verantworten. Es geht um Spielmanipulation.

"Ich bin verbittert, ja empört", sagte hörbar erregt Georgios Spanos der "Wiener Zeitung" am Donnerstag. Die Anklage sei "völlig haltlos" und basiere lediglich auf Vorwürfen, die ein "bekannter Falschzeuge" gegen ihn, Atromitos-Sportdirektor Jannis Angelopoulos sowie den damaligen Atromitos-Coach Ricardo Pinto mit Blick auf die Begegnung zwischen Olympiakos Piräus und Atromitos Athen (2:1) im Februar 2015 erhoben habe.

Spanos:"Wir sollen zwei Stammspieler absichtlich nicht eingesetzt haben. Das Spielergebnis war aber absolut normal. Zudem ist es von der UEFA nicht als verdächtig eingestuft worden. Die ganze Sache ist einfach lächerlich."

Was Klubchef Spanos so auf die Palme bringt: Wie am Mittwoch in Athen bekannt wurde, habe der dreiköpfige Richterrat am Athener Berufungsgericht den Beschluss gefasst, dass die Athener Strafjustiz gegen das Atromitos-Trio sowie weitere 25 Personen aus dem griechischen Profi-Fußball nach dem Abschluss der Ermittlungen nun ein Gerichtsverfahren eröffnet.

Konkret wurde gegen die "28", darunter auch der Hellas-Tycoon Evangelos Marinakis, dem seit Sommer 2010 Griechenlands Serienmeister und Champions-League-Teilnehmer Olympiakos Piräus gehört, Anklage wegen Spielmanipulation erhoben. Von diesen 28 Angeklagten sehen sich acht Personen, zu denen aber das Atromitos-Trio ausdrücklich nicht zählt, zusätzlich der Anklage wegen der "Gründung und Mitgliedschaft in einer Bande" ausgesetzt.

Obgleich auch in Griechenland bis zu einem rechtskräftigen Urteil selbstredend die Unschuldsvermutung gilt, hat nun neben Marinakis auch Atromitos-Boss Spanos alleine schon wegen der Anklage vor Gericht zu handeln. Konkret muss er nicht nur sein Amt als Klubpräsident und Geschäftsführer von Atromitos abgeben, sondern auch alle seine Aktien an der Fußball-AG Atromitos - und dies binnen 15 Tagen.

Dies sieht das seit 2012 gültige Gesetz so vor. Seither stuft der griechische Gesetzgeber Spielmanipulationen strafrechtlich als "Verbrechen" statt als einfache Vergehen ein.

Die Sache schlimmer macht der unsägliche Umstand, dass die Mühlen insbesondere der Strafjustiz in Fällen mit so vielen Angeklagten nur sehr langsam mahlen. Mit der Eröffnung des betreffenden Gerichtsverfahrens ist erst im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen. Es wird sich alleine in erster Instanz sicher über Monate hinziehen. Ob Freispruch oder Verurteilung: Bis zu einem rechtskräftigen Urteil werden Jahre ins Land ziehen.

So lange muss sich Spanos jedenfalls aus dem Fußball zurückziehen. Für den sportlichen Höhenflieger Atromitos dürfte Spanos’ Ausscheiden ein schwerer Schlag sein. Denn in Griechenland firmieren die Vereine seit 1979 als AGs. Nicht mit den Klubmitgliedern, sondern mit dem Klubeigner, besser: mit seiner Kompetenz, Führungsstärke und vor allem Finanzkraft, ist deren Schicksal auf Gedeih und Verderb verbunden. Und ohne Spanos ist Atromitos’ Aufstieg undenkbar. Der noch junge, dynamische Geschäftsmann, Präsident der Treibstoff-Firma Eteka, die in Hellas ein Netz von rund 350 Tankstellen betreibt und ein sogenannter goldener Atromitos-Sponsor ist, übernahm 2005 die Atromitos-Aktienmehrheit.

Seit 2009 ist Atromitos eine feste Größe im griechischen Fußball-Oberhaus. 2013 schloss man die Saison auf Platz drei ab, 2011 und 2012 stand der Spanos-Klub im griechischen Pokalfinale. Spanos’ Markenzeichen: seine solide Geschäftsführung. Laut der jüngsten Geschäftsbilanz, die den Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis 30. Juni 2015 abdeckt, wies die Fußball-AG Atromitos einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro auf, bei Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro - in Fußball-Hellas sind das eher Peanuts.

Zwangsabstieg droht

Doch niedrige Ticketerlöse, auch in dieser Saison im freien Fall befindliche Fernseheinnahmen sowie chronisch klamme Sponsoren machen besonders Randvereinen wie Atromitos, die meist ohne den Geldregen aus Nyon für die Teilnahme an Europas lukrativen Klubwettbewerben auskommen müssen, schwer zu schaffen. Kein leichtes Unterfangen wird es für Spanos daher sein, in den nächsten zwei Wochen vor allem seine Aktienmehrheit an einen neuen Investor abzugeben. Bleibt Spanos untätig oder bleibt er auf seinem Aktienpaket sitzen, interveniert die Athener Regierung. Ein Strohmann von Spanos darf der neue Atromitos-Eigner jedenfalls nicht sein. Er muss auch wirklich über die nötige Finanzkraft verfügen.

Die griechischen Behörden sind laut Gesetz dazu verpflichtet, den potenziellen Investor auf Herz und Nieren zu prüfen. Liegt eine Scheintransaktion des Aktienpakets vor, droht der Worst Case: Zwangsabstieg. Jüngstes Beispiel: der Fall des Erstligisten Korfu im Jahr 2015. Spanos gibt sich aber kämpferisch: "Ich werde immer an vorderster Front sein, um die Interessen von Atromitos zu verteidigen."

Er wolle jedenfalls unverzüglich von der Atromitos-Rechtsabteilung prüfen lassen, ob er seine Aktien überhaupt abgeben müsse - oder dies nicht verfassungswidrig sei, so Spanos zur "Wiener Zeitung". Spanos gibt sich kämpferisch. "Ich werde immer an vorderster Front sein, um die Interessen von Atromitos zu verteidigen."