Wien. Einer wird wohl langsam nicht mehr auf der Ersatzbank zu halten sein: Denn während die arrivierten Offensivkräfte im österreichischen Nationalteam 2017 in den wichtigen Spielen allesamt versagten und mitunter die tollsten Chancen verjuxten, macht Louis Schaub mit beeindruckender Beständigkeit Tor um Tor - und zwar aus keinesfalls zwingenden Situation. Vier aus vier lautet die treffende Formel des Rapidlers - vier Treffer in den jüngsten vier Begegnungen, drei Mal davon zum Sieg, drei Mal als Einwechselspieler. So auch am Dienstagabend in Wien gegen Uruguay, als der gefinkelt ausgeführte Freistoß des 22-Jährigen an Freund und Feind vorbei zum 2:1 im Netz landete (87.), was Neo-Teamchef Franco Foda einen geglückten Einstand bescherte.

Zuvor hatte der 1,77 Meter große Mittelfeldakteur bei seinem Teamdebüt gegen Georgien zum 1:1-Endstand abgestaubt, danach die ÖFB-Elf sowohl gegen Serbien (3:2) als auch gegen Moldawien (1:0) zurück auf die Siegerstraße gebracht. Eine solche Bilanz sucht ihresgleichen - und führt 22 Jahre zurück zu Rekordnationalschützen Toni Polster, dem selbiges Kunststück von vier Toren en suite 1995 gelungen war. Solche Vergleiche ehren den Jung-Nationalspieler freilich, Fixplatz-Ansprüche will er dennoch nicht erheben: "Sicher will ich von Anfang an spielen, doch wenn ich als Joker immer treffe, ist es auch nicht so schlecht", meinte Schaub.

Foda hatte - wie Marcel Koller zuvor - ein glückliches Händchen, als er Schaub in der 59. Minute, als das Spiel dahinzuplätschern drohte, auf das Feld schickte. "Er bewegt sich gut zwischen den Linien und hat eine gute Antizipation für Räume. Er ist ein Spieler, der Spaß macht. Es ist gut für einen Trainer zu wissen, dass er Spieler bringen kann, die etwas bewegen", erklärte Foda nach der alles in allem spielerisch wenig erquickenden Partie.

Denn hätte der zweifache Weltmeister aus Südamerika vor der Pause nicht derart viele hundertprozentige Chancen verhaut, wäre die ÖFB-Auswahl wohl gar nie auch nur in die Nähe einer Siegchance gekommen. Womit auch unter Foda evident ist, dass die größte Team-Baustelle nach wie vor nicht geschlossen ist - die Abwehr. Deren Chef, Aleksandar Dragovic, ist in dieser Verfassung mehr Risiko als Stütze - eines seiner zittrigen Abspiele landete prompt beim Gegner und dann beinahe im Tor; auch Innenverteidiger Kevin Danso leistete sich einige Stellungsfehler, sein Alter (19) entschuldigt aber noch für so manches. Immerhin, beide hatten es mit PSG-Topstar und Torschütze (10.) Edinson Cavani nicht gerade einfach. Dennoch darf man sehnsüchtig die Rückkehr der verletzten Martin Hinteregger und Sebastian Prödl erwarten.