• vom 23.11.2017, 17:06 Uhr

Fußball

Update: 24.11.2017, 12:35 Uhr

FC Blau Weiß Linz

Wintersonne über Linz




  • Artikel
  • Lesenswert (24)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Benjamin Schacherl

  • 1997 wurde der FC Blau Weiß Linz als Nachfolgeverein des SK Vöest Linz gegründet. Zwischen ruhmreicher Vergangenheit und ambitionierten Visionen war der Verein in den vergangenen 20 Jahren vor allem eines: anders.

Helmut Senekowitsch (l.) führte den SK Vöest 1974 zum Titel, davon ist der FC Blau Weiß weit weg.

Helmut Senekowitsch (l.) führte den SK Vöest 1974 zum Titel, davon ist der FC Blau Weiß weit weg.© Archiv Helmut Senekowitsch (l.) führte den SK Vöest 1974 zum Titel, davon ist der FC Blau Weiß weit weg.© Archiv

Linz. David Wimleitner leidet. Er läuft im Regen auf und ab, springt herum und stampft mit seinen schwarzen Lederschuhen auf die blaue Tartanbahn ein. Am Ende sieht der 41-jährige Sportdirektor und Interimstrainer seine Mannschaft, den FC Blau Weiß Linz, gegen die WSG Wattens mit 0:2 verlieren. 765 Zuschauer haben sich im 20.000 Zuschauer fassenden Linzer Stadion auf der Gugl eingefunden. Sie sehen eine verunsicherte Mannschaft, die nach der Heimniederlage auf dem vorletzten Tabellenplatz der Ersten Liga bleibt. Ende Oktober wurde Trainer Günther Gorenzel entlassen. Wimleitner hilft bis zur Winterpause als Trainer aus. "Natürlich haben wir uns alle mehr erhofft, aber momentan läuft alles gegen uns", sagt er. Die sportliche Situation im Jubiläumsjahr ist bedrückend, obwohl der Abstieg in die Regionalliga unmöglich erscheint. Die zweite Liga wird am Ende der Saison auf 16 Vereine aufgestockt, nur wenige Vereine aus den dritten Ligen wollen aufsteigen. Im Sommer herrschte noch Zuversicht, nach einem siebten Tabellenplatz in der Vorsaison wurde die obere Tabellenhälfte anvisiert. "Dass wir so hinten drin stecken, habe ich nicht erwartet. Ich habe an einen Mittelfeldplatz gedacht, mit Blick nach oben", sagt Vereinspräsident Walter Niedermayr zur "Wiener Zeitung". Jetzt würde er sich schon sehr auf die Winterpause freuen. Bis dahin müssen Blau Weiß Linz und Niedermayr noch zwei Spiele überstehen, am Freitag (20:30 Uhr/ORF-Sport+) ist Wacker Innsbruck auf der Linzer Gugl zu Gast.

Bewegte Geschichte
Dass 2017 überhaupt ein blau-weißer Verein aus Linz im Profifußball vertreten ist, war zwanzig Jahre zuvor ungewiss. 1997 wurden die beiden Erzrivalen Lask und FC Linz, wie der ehemalige SK Vöest nach dem Ausstieg der Stahlwerke hieß, zu einem Verein zusammengeführt. Ein Verein mit großer Geschichte wurde zu Grabe getragen: 1974 wurden die "Vöestler" österreichischer Meister. Im Europapokal der Landesmeister spielte man vor 25.000 Zuschauern auf der Gugl gegen den FC Barcelona 0:0. Von der Zusammenführung blieb nur der Verein Lask Linz übrig. Das Ziel war ein schlagkräftiger Linzer Großklub. "Es geht nur mit einem Klub", meinte der damals federführende FC-Linz-Vorstand Franz Grad. Auf die Frage, ob es den FC Linz in irgendeiner Form weiter geben würde, entgegnete er: "Nein, als was soll es ihn geben? Als Tarockierverein?" Auf diesem Trümmerfeld ist der FC Blau Weiß Linz entstanden.


Viele wollten das Ende des einst so ruhmreichen blau-weißen Vereins nicht akzeptieren. Einer von ihnen war Hermann Schellmann, Jugendspieler beim SK Vöest, Anhänger des Klubs und Unternehmer. "Nachdem unser Verein im Zuge der Schein-Fusion an den Lask verscherbelt wurde, haben wir uns gedacht, dass es das doch nicht gewesen sein kann", erinnert sich Schellmann im Gespräch zurück. Ihm und seinen Mitstreitern war zu Ohren gekommen, dass der damalige Viertligist SV Austria Tabak Linz, ebenfalls mit blau-weißen Vereinsfarben, aufgrund des Ausstiegs der Tabakwerke in existenzbedrohliche Probleme geraten war. Schließlich habe man beschlossen, "gemeinsam etwas zu machen", wie Hermann Schellmann sagt. "Austria Tabak hatte keine Zuschauer, aber einen Fußballplatz. Ihre Funktionäre waren sofort begeistert", sagt der Speditionsunternehmer. Gemeinsam mit Freunden und Unterstützern hat er den FC Blau Weiß Linz am 1. August 1997 aus der Taufe gehoben. Gespielt wurde jahrelang im Donauparkstadion, das den Kriterien der zweiten Liga nicht entspricht. Nach 20 Jahren legte Schellmann im heurigen Sommer das Amt des Präsidenten zurück.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-23 17:11:06
Letzte Änderung am 2017-11-24 12:35:04


Abseits

Stille Zeit, Krawallzeit

Kaum sind die dramatischen Ausschreitungen rund um das Finale der Copa Libertadores abgeklungen, kaum könnten die Frankreich lähmenden Proteste der an... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Liverpool und PSG im Champions-League-Achtelfinale
  2. Die Fifa-Klub-WM steht auf dem Prüfstand
  3. Schöpf-Tor für Schalke zum Champions-League-Abschluss
  4. Barça will nicht in Miami kicken
  5. Ein letzter Platz ist frei
Meistkommentiert
  1. Shiffrin schreibt Ski-Geschichte
  2. Mattersburg dreht Parie gegen Austria


Werbung