Nyon. (may) Da war er wieder - der legendäre Bayern-Dusel, wie unsere deutschen Nachbarn zu sagen pflegen: Bei der Auslosung des Champions-League-Achtelfinales am Montag in Nyon lagen nur noch zwei Kugeln im Topf der gesetzten Teams - Barcelona und Beşiktaş. Also entweder Horror- oder Glückslos für den deutschen Rekordmeister. Als alles schon mit dem ultimativen Achtelfinal-Hit rechnete, wies Ex-Bayern-Star Xabi Alonso als Losfee die Katalanen zum britischen Meister Chelsea - womit für die Bayern nur noch der türkische Champion übrig blieb. Und sich für die Jupp-Heynckes-Truppe, die sich nach dem bejammerten zweiten Gruppenplatz hinter Paris Saint-Germain schon zu Beginn der Königsklassen-K.o.-Phase auf hochkarätigen Gegner einstellen hatte müssen, auf einen Schlag alles sonniger darstellte. Denn ihr Vorrundengegner PSG hat es wahrlich schlimm erwischt: Mit Real Madrid wartet im großen Achtelfinal-Schlager der Titelverteidiger.

"Vorzeitiges Finale", twitterte PSG-Profi Thomas Meunier, nachdem dieses Los gefallen war. Tatsächlich stellt sich für die Königlichen auf dem Weg zur (doppelten) Titelverteidigung eine hohe Hürde entgegen. Während der Rekord-Königsklassensieger (zwölf Titel) in der Meisterschaft schwächelt und in der Gruppenphase Tottenham den Vortritt lassen musste, spielte PSG in beiden Bewerben im Herbst alles in Grund und Boden. Dank des Traum-Sturms mit Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappé kann das Ziel heuer nur lauten, die wichtigste Trophäe im Klubfußball am 26. Mai von Kiew nach Paris zu holen. "Unsere Fans werden es mögen, nachdem wir letzte Saison an Barcelona gescheitert sind. Es ist eine wunderbare Herausforderung", meinte Sportkoordinator Maxwell. Im Frühjahr war PSG ja nach einem 4:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Barcelona nach einem 1:6 im Rückspiel noch gescheitert. Cristiano Ronaldo und Co. sind so oder so gewarnt. "Wenn man die Stärke der beiden Mannschaften sieht, könnte das ein Finale sein. Paris wird jedes Jahr stärker, die haben riesiges Potenzial", meinte Emilio Butragueño, Ex-Torjäger und nunmehr Direktor der Königlichen. Die bisherige Bilanz ist ausgeglichen: Bei sechs Duellen gab es zwei Remis und jeweils zwei Siege.

Bei den Bayern war man indessen bemüht, nur ja keine Freude über das Los erkennen zu lassen: "Wir wissen, wie stark Beşiktaş ist. Wir haben sie verfolgt, weil sie in der Gruppe mit Leipzig waren. Das ist eine schwere Aufgabe", so Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Zudem werde zum Rückspiel in Istanbul eine "außergewöhnliche Stimmung" herrschen. In den übrigen Paarungen trifft Manchester United auf den FC Sevilla, Manchester City auf den FC Basel, der FC Porto duelliert sich mit Liverpool und Juventus Turin mit Tottenham. Die nominell schwächste Paarung bilden Schachtar Donezk und die AS Roma. Die Hinspiele finden im Februar statt, die Rückspiele Anfang/Mitte März.

Lostag war am Montag auch für Österreichs Serienmeister Salzburg, der als einzig verbliebener Bundesliga-Klub im Frühjahr im Sechzehntelfinale der Europa League spielt. Und wie Rapid vor zwei Jahren (0:10 Gesamtscore gegen Valencia) und Salzburg vor drei Jahren (Aus gegen Villareal) ist wieder ein starker spanischer Klub Gegner in der ersten K.o.-Runde - nämlich Real Sociedad. Erschwerend hinzu kommt, dass der Red-Bull-Verein zum Hinrundenduell in San Sebastian am 15.Februar (19 Uhr) erst zwei Bundesligaspiele in den Beinen haben wird, während in der Primera División der Spielbetrieb nur zu den Weihnachtsferien ruht.

Salzburg: "Spannende Aufgabe"


Den aktuellen Tabellenneunten (mit Ex-Real-Akteur Asier Illarramendi als Spielmacher) bezeichnet Trainer Marco Rose als "spannende Aufgabe": "Wir können uns beweisen und auch Erfahrung sammeln. Aber wir wollen nicht nur Erfahrung sammeln, sondern auch weiterkommen."

Die Europa-League-Schlager gibt es in gleich zwei Duellen Italien gegen Deutschland mit österreichischen Trainern: Dortmund (Peter Stöger) trifft auf Atalanta Bergamo, RB Leipzig (Ralph Hasenhüttl) auf den SSC Napoli.