Wien. (may) Viel Lärm um nichts, oder steckt hinter den Ermittlungen gegen ÖFB-Boss Leo Windtner tatsächlich auch Substanz? Faktum ist, dass die Causa um eine Spende von Ex-Fifa-Boss Sepp Blatter für ein Fußballprojekt in Afrika seit längerem bekannt ist, die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft aber nicht von sich aus, sondern erst nach einer Anzeige des Eisenbahnersportvereins (ESV) Wels im April 2017 tätig geworden ist. Womit der Verdacht einer Intrige und Retourkutsche gegen den ÖFB-Präsidenten wahrscheinlich erscheint. Denn: "Der Anzeigeerstatter verweist dabei selbst auf eine aus seiner Sicht ungerechte Behandlung des Sportvereins durch den oberösterreichischen Fußballverband, die somit Anlass für die Anzeige war", so Windtner. Der ESV Wels sei zuvor vom Verband vom Meisterschaftsbetrieb ausgeschlossen worden - mittlerweile hat der Verein seine Fußballsektion übrigens neu gegründet. Für Windtner ist der Ausgangspunkt für die Ermittlungen daher "ein Rundumschlag des Vereins": "Es ist aber nach wie vor keine Änderung der Faktenlage eingetreten."

In der Anzeige des ESV heißt es, dass sich Windtner "den Vorwurf gefallen lassen muss, bei einer 100.000-Dollar-Spende durch den in Verruf geratenen Ex-Fifa-Boss Sepp Blatter intransparent und rechtlich fragwürdig agiert zu haben". Die Zahlung sei 2015 kurz vor Blatters Wiederwahl als Fifa-Boss auf ein Konto der Linzer Oberbank eingegangen. Dieses ist einem sozialen Projekt in Afrika zugeordnet, dessen Schirmherrin Windtners Ehefrau ist.

Windtner selbst gibt sich äußerlich gelassen zu den Vorwürfen: "Ich werde in den kommenden Tagen eine Stellungnahme dazu abgeben und sehe dem Verfahren zuversichtlich entgegen", betonte der Oberösterreicher am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Zum Vorwurf der entstandenen schiefen Optik meint er: "Ich habe Blatter weder ein Versprechen noch eine Zusage gegeben. Seine Nichtwahl war ein einstimmiger Präsidiumsbeschluss des ÖFB. Die Stimme bei der Wahl hat der Vorarlberger Landeschef Horst Lumper abgegeben."

"Habe mir nichts vorzuwerfen"

Zudem habe er, Windtner, das ÖFB-Präsidium bereits im Dezember über diese Anzeige informiert. "Es ist alles transparent gelaufen und jeder Cent belegt. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Das Geld ist zunächst irrtümlich von der Fifa an den ÖFB überwiesen worden, aber deswegen kann man mir keinen Vorwurf machen", erklärte der 67-Jährige.

Auf die Frage, ob er im Falle eines etwaigen Schuldspruchs zurücktreten werde, lautete Windtners Antwort: "Soweit habe ich nicht vorgedacht, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe."

Die Vorgeschichte ist indes etwas verworren: Denn der ÖFB hätte die Förderungsverwendung des Projekts Acakoro dem Weltfußballverband gegenüber abrechnen und belegen müssen. Der damalige Generaldirektor Alfred Ludwig soll Windtner aber informiert haben, dass der ÖFB nicht in das Hilfsprojekt involviert sei. Der ÖFB könne deshalb das Geld nicht auf einem seiner Konten aufnehmen.

Der ÖFB überwies das Geld daher im März 2015 wieder an die Fifa zurück. Kurz darauf sei Windtner beim Uefa-Kongress in Wien an Blatter herangetreten. Der Schweizer war damals im Wahlkampf um den Weiterverbleib an der Fifa-Spitze. Tags darauf sei das Geld laut heimischen Medienberichten auf das Konto in Oberösterreich geflossen.

Gegen Windtner soll in dieser Causa auch bei der Ethikkommission der Fifa ein Vorverfahren eingeleitet worden sein - und zwar bereits im Frühjahr 2017. Bestätigt ist dies allerdings nicht. Im schlimmsten Fall droht dem seit 2009 amtierenden Präsidenten eine Sperre - so wie es etlichen anderen Fußballfunktionären in den vergangenen Jahren ergangen ist. Blatter etwa, der den Weltverband von 1998 bis 2016 führte, wurde wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung von der Ethikkommission für acht Jahre gesperrt. Ein Berufungsgericht reduzierte diese Sperre jedoch um zwei Jahre.