Wien. Die Bundesliga startet am Wochenende gleich mit dem Wiener Derby in das Frühjahr (Sonntag, 16.30 Uhr/ORFeins). Rapid ist im Allianz-Stadion gegen die Austria noch sieglos, brennt auf den ersten Heimerfolg gegen Violett. Derzeit steht die Bilanz gegen den Erzrivalen in der neuen Arena bei zwei Niederlagen und einem Unentschieden - sehr zum Leidwesen von Rapid-Trainer Goran Djuricin. Weswegen sich der Wiener auch einen vollen Erfolg wünscht. "Wir wollen ein Zeichen setzen", betonte Djuricin am Freitag.

Zuversicht schöpft der 43-Jährige aus der seiner Meinung nach zufriedenstellenden Vorbereitung. "Kreativität und Schwung sind da, alle sind motiviert - jetzt freuen wir uns auf das Derby." Und er hat auch Grund dazu, habe man doch durch die Rückkehr von Thomas Hickersberger als Assistenzcoach zusätzliche Fortschritte gemacht, wie Djuricin erklärte. "Die Zusammenarbeit mit ihm ist sensationell. Wir haben sehr viel im taktischen Bereich gearbeitet, die Mannschaft hat sich in diesem Punkt sicher weiterentwickelt."

Steigerungspotenzial gebe es vor dem ersten Match des Jahres, für das bis Freitag 25.400 Tickets verkauft waren (1300 davon im Austria-Sektor), im Vergleich zum Herbst aber auch in einigen anderen Bereichen. "Wir wollen noch dominanter auftreten und effizienter werden. In der Defensive wollen wir noch fleißiger werden, dann wird’s im Frühling gut ausschauen", prophezeite Djuricin. Zumindest statistisch ist die Ausgangslage so schlecht nicht. Rapid liegt als Dritter vor der sechstplatzierten Austria, womit den Wienern eine gewisse Favoritenstellung zukommt. Kapitän Stefan Schwab sieht die Violetten jedoch nicht als klaren Außenseiter. "Wir haben ein Heimspiel und haben einen besseren Herbst gespielt, also könnte man von der Papierform her sagen, wir sind Favorit", sagte der Mittelfeldspieler. "Aber ich schätze die Chancen 50:50 ein. Die Austria kennt unsere Stärken und wir ihre. Wir kennen uns in- und auswendig, daher ist eine enge Partie zu erwarten." Außerdem seien die Violetten allein aufgrund ihrer Transferaktivitäten im Winter ein gefährlicher Gegner, warnte Schwab. "Sie haben sich verstärkt und sind jetzt wahrscheinlich hinten stabiler." Bei Rapid hingegen dockte zuletzt kein neuer Spieler an - und das wird sich laut Sport-Geschäftsführer Fredy Bickel bis zum Ende der Transferzeit am 6. Februar nicht ändern. "Einen Neuzugang schließe ich beinahe aus", erklärte er.

Die Austria kehrt indessen am Sonntag guter Dinge in die Arena des Rivalen zurück. Dass man in der Auswärtsbilanz bisher keine Niederlage zu verzeichnen hatte, ist positiv, allerdings liegen die Violetten in der Tabelle nach wie vor noch acht Zähler hinter Rapid zurück. "Wir sind punktemäßig hinten. Aber wir haben Selbstvertrauen genug, dass wir sagen, wir können Rapid noch überholen", sagte Coach Thorsten Fink. Noch 16 Spiele bleiben der Austria bis zu Saisonende, um den erhofften Sprung in den Europacup zu realisieren. Platz vier ist das Ziel, mit einem Sieg im 325. großen Wiener Derby vielleicht mehr. "Dann können wir auch den dritten Platz erreichen", sagte Fink.

Allerdings ist das Derby für die Austria auch eine Standortbestimmung. Die Vorbereitung verlief resultatsmäßig nicht nach Wunsch, nur eines von sechs Testspielen - ein 6:2 gegen Wiener Neustadt - wurde gewonnen. Fink sah dennoch "nach vorn hin hervorragenden Fußball". Die viel größere Gefahr droht aber hinten. Ob es die Austria schafft, ihre Abwehr nach 29 Gegentoren im Herbst zu stabilisieren, wird sich weisen.