London. (art) Lionel Messi kennt man für gewöhnlich so: Dribbelnd, toreschießend, lächelnd, sobald er den Ball am Fuß hat. Doch es gibt auch den anderen Lionel Messi: den nachdenklichen, jenen, der so traurig schauen kann, dass man ihm am liebsten einen Teddybären in die Hand drücken würde. Die verlorenen Finalspiele mit der argentinischen Nationalmannschaft waren solche Momente, das Champions-League-Halbfinale mit dem FC Barcelona gegen Chelsea vor sechs Jahren gehört aber ebenso dazu. Das Hinspiel hatte Chelsea mit 1:0 gewonnen, im Rückspiel fixierten die Londoner den Aufstieg ins Finale, das sie gegen den FC Bayern gewannen. Messi vergab vor eigenem Publikum nicht nur einen Elfmeter, gegen Ende der Partie traf er auch noch die Stange. Es war einer der bittersten Momente seiner Karriere. "In der Kabine habe ich ihn weinen gesehen", sollte sich später sein damaliger Teamkollege, der nunmehrige Manchester-United-Spieler Alexis Sánchez, erinnern.

Doch Messi und die Partien gegen Chelsea, das ist nicht nur deswegen keine Liebesgeschichte: In bisher acht Duellen - exakt 655 Minuten stand er dabei auf dem Platz - gelang dem Superstar der Katalanen kein Tor; das ist für jemanden, der laut Statistik des europäischen Fußball-Verbandes Uefa im Europacup alle 102 Minuten und 43 Sekunden erfolgreich ist, auch eine persönliche Niederlage. An Motivation wird es Messi also nicht mangeln, wenn der FC Barcelona am Dienstag (20.45 Uhr) im Achtelfinal-Hinspiel an der Stamford Bridge abermals auf die Blues trifft. Während die Bayern im Parallelspiel gegen Beşiktaş Istanbul haushoher Favorit sind, scheint die Ausgangslage in diesem Duell nicht ganz so klar. Zwar ist der spanische Tabellenführer leichter Favorit, Chelsea-Coach Antonio Conte traut seiner in der englischen Liga auf Platz vier liegenden Mannschaft aber eine Überraschung zu. Dafür, so sagt der Italiener, müsse man freilich versuchen, "ein perfektes Spiel abzuliefern". Die Torsperre Messis sei eine "Tradition, die wir aufrecht erhalten wollen", es gehe aber nicht nur um den Argentinier alleine. "Wenn wir uns nur darauf fokussieren, ihn in Manndeckung zu nehmen, kann das sehr gefährlich sein", weiß Conte. Der nunmehrige Chelsea-Spieler Cesc Fàbregas, von 2011 bis 2014 Profi bei seinem Jugendverein Barcelona, sagt zur taktischen Ausrichtung: "Wenn wir ihr hohes Pressing überwinden, können wir ihnen wehtun." Zum Matchwinner soll Eden Hazard werden, der Belgier ist mit drei Toren Chelseas bester Torschütze in der laufenden Champions League.

Generalproben gelungen


Spaniens Tabellenführer reiste zuversichtlich auf die Insel. Gerard Piqué rief dennoch folgenschwere Ausrutscher in der Vergangenheit in Erinnerung. "Wir müssen aus unseren Erfahrungen lernen. Ein schlechter Tag, und wir sind draußen", sagte der Innenverteidiger. In der Vorsaison war Barcelona im Viertelfinale nach einem 0:3 im Hinspiel bei Juventus gescheitert, als man sich unkonzentriert präsentierte. Trainer Ernesto Valverde bot beim 2:0 in Eibar am Samstag seine stärkste Formation auf, obwohl er zuletzt moniert hatte, dass Chelsea nach dem FA-Cup-Einsatz am Freitag (4:0 bei Zweitligist Hull) einen Tag länger zur Regeneration habe. Messi blieb dabei ohne Tor. Lieber wäre es ihm wohl ohnehin, wenn es am Dienstag gelänge.