Oliver Egger. - © FC Gratkorn
Oliver Egger. - © FC Gratkorn

Wien. "Es hat in meinem Leben Zeitpunkte gegeben, da habe ich nicht gewusst, wer ich bin und wie ich damit umgehen soll. Da wäre ich am liebsten davongelaufen", sagt Oliver Egger. Der Rechtsverteidiger des FC Gratkorn ist schwul, er sagt diese Sätze im Dokumentarfilm "Der Tag wird kommen". Bis heute hat sich kein Spieler geoutet, der in einer höheren österreichischen Liga gespielt hat als Egger. Gratkorn spielt in der steirischen Oberliga Mitte, das ist die fünfthöchste Spielklasse. Bis 2011 war sein Klub im Profifußball. Der Film (Montag, 20.15 Uhr/ORFSport+) zeigt, wie sehr der 25-Jährige damit kämpfte, seine sexuelle Orientierung in einem Umfeld wie jenem des Fußballsports offen zu leben. "Die Reaktionen auf den Film waren aber ausnahmslos positiv", sagt Egger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Er entschied sich, den Film zu machen, "um mehr Bewusstsein zu schaffen und das Thema größer zu machen".

Dass Homophobie im Fußball ein ungebrochen großes Problem ist, hat der Rückrundenstart der österreichischen Bundesliga gezeigt. Beim Wiener Derby ist der Austria-Spieler Raphael Holzhauser von Wurfgeschossen aus dem Rapid-Fansektor getroffen worden, als später erneut Gegenstände aufs Spielfeld flogen, unterbrach der Schiedsrichter das Spiel für einige Minuten. Beim darauffolgenden Match wurde im Rapid-Fanblock ein Transparent hochgehalten, auf dem zu lesen war: "Dem Woamen platzt a Wimmerl auf und ihr machts an Skandal daraus". Die Beleidigung galt dem FAK-Kapitän Holzhauser. Dazu wurde "schwuler, schwuler FAK" angestimmt. Gesänge und Wortmeldungen dieser Art sind nicht neu, sondern österreichweit an jedem Wochenende auf verschiedenen Fußballplätzen zu hören. "Das Spruchband hat gezeigt, dass meine Entscheidung der richtige Schritt war", sagt Egger. "Ich frage mich, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht. Sie wissen nicht, was diese Wörter auslösen können." Auch im Funktionärs- und Trainerbereich lassen sich homophobe Sprüche und Handlungen zur Genüge finden. Der ehemalige Teamchef Österreichs, Otto Baric, sagte 2004 in einem Interview: "Ich weiß, dass es in meiner Mannschaft keine Homosexuellen gibt. Ich erkenne einen Schwulen innerhalb von zehn Minuten, und ich möchte sie nicht in meinem Team haben." 2007 wurde die Sperre des Dortmund-Tormanns Roman Weidenfeller von sechs auf drei Monate reduziert, nachdem dieser vor dem DFB-Sportgericht klargemacht hatte, dass er den Schalke-Spieler Gerald Asamoah nicht als "schwarze", sondern als "schwule Sau" beleidigt habe. Und auch der aktuelle U21-Nationaltrainer Österreichs, Werner Gregoritsch, sagte in einem Interview 2011 über Homosexualität im Fußball: "Für mich selbst ist es etwas Unnatürliches. Aber ich akzeptiere diese Menschen, wenn sie es ohne Zwang machen. Mir selbst ist es nicht angenehm."