Fußball und
konstruierte Männlichkeit


Nikola Staritz arbeitet bei der "fairplay"-Initiative, die sich seit 1997 gegen jede Form von Diskriminierung im Fußball starkmacht. Sie erklärt, warum insbesondere der Fußball mit Homophobie zu kämpfen hat: "Es gibt im Fußball diese archetypischen Vorstellungen von Männlichkeit und Stärke. Man darf keine Schwächen zeigen", sagt sie. "Alles, was nicht in die männliche, heterosexuelle Normvorstellung passt, wird heruntergemacht."

Diese Geringschätzung sei traditionell mit der Abwertung von Weiblichkeit verknüpft. "Homosexualität wird dann als etwas Weibliches und Schwaches wahrgenommen", sagt Staritz. Auch die deutsche Kulturwissenschafterin Gabriele Dietze schreibt, dass dem Fußball eine tragende Rolle in der Konstruktion von Männlichkeit zukäme. Staritz stört sich vor allem an den öffentlichen Reaktionen auf homophobe Vorfälle. "Es gibt kein Bewusstsein für das Problem. Man hat das Gefühl, dass es niemand bemerken will", sagt Staritz. Wenn während eines ORF-Livespiels derartige Beleidigungen zu hören sind, würden diese stets unkommentiert bleiben. Zudem vermisst sie ein klares Bekenntnis der Vereine und Verbände. "Dass kaum jemand etwas gegen so ein Transparent sagt, ist sehr schade."

Nach dem Spruchband richtete Rapid auf Twitter aus, dass derartige Wortmeldungen nicht mit dem Leitbild des Vereins vereinbar seien. Die Fanaktivistin Stefanie Gunzy kann solche Statements nicht ernst nehmen. "Die Vereinsstatuten sind nichts anderes als geduldiges Papier. Das Leitbild steht im Widerspruch zu den Handlungen", sagt Gunzy, die sich wissenschaftlich mit Homophobie im Fußball auseinandergesetzt und das Theaterstück "Rund. Eckig. Schwul" ins Leben gerufen hat. Sie sei früher oft beim Wiener Derby im Stadion gewesen, mittlerweile nicht mehr, "weil ich von den sexistischen und homophoben Beleidigungen angewidert bin", wie sie sagt. Von der österreichischen Bundesliga und den Vereinen erwartet Gunzy, dass diese ihre gesellschaftliche Verantwortung stärker wahrnehmen. "Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt schon viele Initiativen und mögliche Partner. Aber es wird nur etwas gemacht, wenn es von außen angeregt wird", sagt Gunzy. Einer dieser Partner könnte der Verein "Fußballfans gegen Homophobie" sein, der im Jänner 2015 gegründet worden ist. Während gegen Rassismus in Fußballstadien seit Mitte der 90er Jahre gezielt vorgegangen wird, wurde das Thema Homophobie bis vor kurzem weitgehend ignoriert. "Unser Ziel war, dass über Homophobie diskutiert wird. Die Vereine und die Bundesliga trauen sich nicht über dieses Thema drüber. Damit sich etwas verändert, müssen aber auch innerhalb der Strukturen Stimmen laut werden", sagt Ines Schnell von "Fußballfans gegen Homophobie".