Geplante
Sensibilisierung


Welchen Effekt vereinsübergreifende, medienwirksame Aktionen haben können, zeigt die 1999 in Wien begründete, europaweite Kampagne "Football Against Racism". "Die Kampagne hat viel verbessert. Für eine ähnliche Aktion gegen Homophobie fehlt leider das Problembewusstsein", glaubt Schnell. "Es gibt auch Ängste, selbst als homosexuell zu gelten, wenn man sich zu diesem Thema äußert", sagt Staritz von "fairplay". "Das hemmt die Leute." In den vergangenen Jahren hat die Bundesliga gemeinsam mit den Klubs immer wieder Aktionen gegen Diskriminierung gesetzt. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Kampf gegen Rassismus, am Rande wurde auch Homophobie thematisiert. Christian Schulz von Sturm Graz hat zum Beispiel als erster Profifußballer Österreichs im Oktober 2016 mit einer Regenbogen-Kapitänsschleife gespielt. "In den letzten Jahren ist die gesellschaftliche Entwicklung vorangeschritten, sei es durch mehr Sensibilität oder auch Gesetzesänderungen. Wir möchten auch im Fußball noch stärker Bewusstsein schaffen", sagt Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer. In den kommenden Wochen und Monaten sollen Maßnahmen mit Klubs und Fans erörtert werden. "Die Fans haben Stimmhoheit in den Kurven und können direkt einen positiven Einfluss haben", sagt Ebenbauer. Derzeit zieht es die Bundesliga vor, Bewusstsein zu schaffen, anstatt Spruchbänder und Sprechchöre abzustrafen.

"Hoffentlich wird
der Tag kommen"


Dass allmählich eine Diskussion über Homophobie im österreichischen Fußball einsetzt, begrüßt die Fanaktivistin Gunzy. Auch wenn sie glaubt, dass dies auf die Debatte um die Wurfgeschosse beim Derby zurückzuführen sei. "Sonst gibt es kaum Chancen, mit dem Thema medial durchzukommen", sagt sie. Am Beispiel des eingangs erwähnten Spruchbands würde sich erkennen lassen, wie Teile der aktiven Fanszene mit dem Thema umgehen: "Sie spielen sich damit. Es ist reine Provokation", sagt Gunzy. "Es geht auch darum, den Mythos der heterosexuellen Norm zu verteidigen. Dieser würde wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen, wenn es im Profifußball ein Outing gäbe." Es müssten aber nicht unbedingt Coming-Outs sein, die zu einem gesteigerten Problembewusstsein führen, meint Staritz von "fairplay". "Ich verstehe nicht, warum nicht einmal ein heterosexueller Spieler sagt, dass Homophobie nicht geht", sagt sie.

Das würde sich auch Oliver Egger wünschen. "So könnte die Tabuisierung durchbrochen werden", meint er. Egger hat in der Jugend bei Sturm Graz gespielt. Wäre er bis in die Kampfmannschaft des Bundesligavereins gekommen, hätte er sich sein Coming-out "doppelt und dreifach überlegt", wie er sagt. "Hoffentlich wird der Tag irgendwann kommen, an dem man sich nicht mehr outen und rechtfertigen muss, weil es einfach kein Thema mehr ist", sagt Egger.