• vom 10.03.2018, 08:00 Uhr

Fußball

Update: 10.03.2018, 09:39 Uhr

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"Es sollte nie aufhören"




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Von Benjamin Schacherl

  • Vor zehn Jahren war Ümit Korkmaz der Shootingstar in Österreichs Fußball. Heute spielt er für Karabakh Wien in der Ostliga.

Foto: Benjamin Schacherl

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Wien. Siebte Spielminute: Ümit Korkmaz geht im Duell am Gegenspieler vorbei, sprintet an die Grundlinie, legt auf Branko Boskovic zurück, der zum 1:0 gegen Altach einschießt. Zehnte Minute: Korkmaz lässt auf der linken Seite zwei Altacher stehen, zieht in den Strafraum und legt Stefan Maierhofer das 2:0 auf. Am Ende gewinnt Rapid 3:0 und wird Meister der Saison 2007/2008.

Es sind die schnellen Haken, die präzisen Torvorlagen und die Tempodribblings, mit denen sich der damals 22-Jährige in gleich hoher Geschwindigkeit nach oben spielt. Österreichischer Meister, Heim-EM, deutsche Bundesliga. "Ümit, Ümit, Ümit!"-Rufe begleiten seine Solo-Läufe im Hanappi-Stadion bei Rapid wie im Happeloval beim ÖFB-Nationalteam. "Ich war eine Granate", sagt Korkmaz, 32, heute, zehn Jahre später. Die Gegenwart heißt Regionalliga Ost, Korkmaz ist Kapitän bei Karabakh Wien. Beim türkischen Frühstück im Kent am Brunnenmarkt in Ottakring blickt der einstige Senkrechtstarter auf seine bewegte Karriere zurück.

Arbeitsunfälle und eine Delle

Bei der Europameisterschaft 2008 kommt der Flügelspieler in allen drei Spielen zum Einsatz. "Es war wie ein Traum. Jeder Pass sitzt, jedes Dribbling sitzt, es sollte einfach nicht aufhören", sagt Korkmaz. Doch es hört auf. Am ersten Tag bei Eintracht Frankfurt bricht der Mittelfußknochen. "Stressfraktur", sagt Korkmaz. Drei Jahre zuvor hatte er bei Slovan HAC noch in der vierten Liga gespielt, nur drei Mal wöchentlich trainiert. "Mein Körper hat bei Rapid drei Jahre und auch noch die EM durchgehalten. Dann war es zu viel. Das ist natürlich blöd gekommen."

Foto: Benjamin Schacherl

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Mehr als zwei Millionen Euro hatte Eintracht Frankfurt für ihn ausgegeben. Sieben Wochen später hat er sich wieder erholt, Korkmaz spielt und schießt sein erstes Tor für Frankfurt. Im Training kommt es zu einem Zweikampf, der Knochen bricht wieder - Operation, zwei Monate Pause. Korkmaz kommt wieder zurück, beim Comeback geht er ins Kopfballduell mit Kölns Zoran Tosic. "Ich bin nie nachtragend, bei mir fällt das alles unter Arbeitsunfall", sagt Korkmaz. Tosic’ Ellbogen trifft ihn im Gesicht. "Ich hab eine Delle gehabt." Die Delle war ein Jochbeinbruch. Nach zweieinhalb von Verletzungen geprägten Jahren verleiht Frankfurt Korkmaz nach Bochum. Dort läuft es gut, die Eintracht holt ihn nach einem halben Jahr zurück, doch in Frankfurt gibt es einen neuen Trainer und neue Pläne, in denen Korkmaz keine Rolle spielt. "2008 war perfekt. Dann ist das ganze Glück zu Pech geworden", sagt Korkmaz. Aber er hadert nicht. "Ich hab bei Slovan gespielt, wer hätte gedacht, dass ein Junge aus dem Käfig einfach so rauskommt, zu Rapid kommt, in der deutschen Bundesliga und im Nationalteam spielt?" Als Kind war es immer sein Wunsch, Fußballspieler zu werden. "Wir haben im Park gelebt", sagt Korkmaz. Nach der Schule heim, Schultasche in die Ecke und in den Käfig Fußball spielen, bis die Sonne untergeht. "Der Mama hab ich gesagt, dass ich keine Hausaufgaben habe."




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Dokument erstellt am 2018-03-09 17:45:01
Letzte Änderung am 2018-03-10 09:39:28


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