Motivator und Antreiber: Auf Didi Kühbauer wartet in St. Pölten ein hartes Stück Arbeit. - © apa/Eggenberger
Motivator und Antreiber: Auf Didi Kühbauer wartet in St. Pölten ein hartes Stück Arbeit. - © apa/Eggenberger

Wien. (may) So schnell kann ein vermeintlich unspektakuläres Match der österreichischen Fußball-Bundesliga zu einem Duell voller Gesprächsstoff werden. Rapid gegen St. Pölten - also das Spiel zwischen Europacup-Aspirant und abgeschlagenem Nachzügler - galt vor kurzem noch als für das Meisterschaftsfinale mäßig relevante Begegnung, zumal die Rollen klar verteilt sind und der Rekordmeister als haushoher Favorit ins Spiel geht (Samstag/18.30 Uhr). Spätestens seit Didi Kühbauer zu Ostern das Traineramt in der niederösterreichischen Landeshauptstadt übernommen hat, hat sich die Perspektive aber gewaltig verschoben - zumal der 47-jährige Burgenländer wohl für immer als Rapidler der Herzen gelten wird. Und dann wäre da noch die von der Bundesliga ausgesprochene Fanblock-Sperre im Allianz-Stadion, die sich Rapid für das Duell mit dem Schlusslicht ausgesucht hat - aber nun mit einem Winkelzug umgehen will.

Zunächst zum Neo-Trainer der St. Pöltner: 148 Mal hat Kühbauer das grün-weiße Trikot der Hütteldorfer getragen, ist mit ihnen 1996 bis ins Finale des Cups der Cupsieger vorgedrungen. Mit Leidenschaft, Kampfgeist und beizeiten deftigen Sprüchen hat sich der 1,73 Meter kleine Mittelfeldmotor in die Herzen der Anhängerschaft gespielt. St. Pölten ist nun - nach einem Intermezzo als Experte beim ORF - seine dritte Station im Fußball-Oberhaus: nach Admira Wacker (2010-2013) und Wolfsberg (2013-2015).

Die Ironie der Geschichte will es nun also, dass sein erstes Gastspiel bei seinem Ex-Klub stattfindet: "Wir werden nicht nach Hütteldorf fahren, um dort abgeschlachtet zu werden. Wir müssen eine Spielphilosophie finden, mit der wir in der Relegation bestehen", kündigte Kühbauer unmittelbar nach seiner Bestellung an. Bei einem Rückstand von zehn Punkten auf Rang neun (WAC) ist acht Spiele vor Schluss tatsächlich die Relegation gegen den Dritten der Ersten Liga das Höchste der Gefühle. Allerdings könnte den St. Pöltnern auch das Glück hold sein, und sie kampflos in der (aufgestockten) Liga verbleiben - nämlich dann, wenn der Relegationsgegner die Lizenzauflagen vorab nicht erfüllen kann.

Doch das ist noch ferne Zukunftsmusik. Vergangen ist allerdings bereits Kühbauers Chance, 2016 das Traineramt bei den Grün-Weiß zu übernehmen - die Wahl fiel damals allerdings auf den unglücklichen Damir Canadi. "Damals hätte ich die Aufgabe sehr gerne übernommen. Und eines weiß ich: Ich hätte mit Rapid Erfolg gehabt. Jetzt ist die Situation eine andere. Ich konzentriere mich nur auf den SKN", verkündete Kühbauer gewohnt selbstbewusst in der "Krone".

Nachspiel erwartet


Rund 10.000 Fans werden am Samstagabend erwartet - das deshalb, weil aufgrund der Derby-Randale im Februar eine Sektorensperre verhängt wurde. Der "Block West", Heimat der organisierten Fanszene, bleibt ebenso leer wie Bereiche der Längstribünen und der überwiegende Teil der zweiten Hinter-Tor-Tribüne. Dort ist lediglich der Gästesektor geöffnet - und darin werden nun just die radikalen Rapid-Fans, vornehmlich jene vom "Block West", untergebracht. Was naturgemäß für Diskussionen sorgt, zumal die Bundesliga ja "die Bildung eines alternativen Fansektors" unterbinden wollte. In der an Rapid ergangenen schriftlichen Urteilsausführung hat man das aber so nicht explizit erwähnt, weshalb Rapids Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek trocken meint: "Es geht nicht darum, die Intention des Urteils zu interpretieren, sondern ein Urteil umzusetzen." Der Wiener bezifferte den Gesamtschaden für Rapid einschließlich der 100.000-Euro-Geldstrafe auf 250.000 Euro.

Die Bundesliga verwies am Freitag auf die zuständigen Instanzen - konkret den Senat 1 - der sich mit der korrekten Umsetzung des Beschlusses auseinanderzusetzen habe. Es könnte also wieder ein juristisches Nachspiel zu einem Rapid-Spiel geben.

tipico-Bundesliga, 29. Runde:

Samstag:

Sturm Graz - FK Austria Wien16.00 Uhr

SCR Altach - Admira18.30 Uhr

SK Rapid Wien - St. Pölten18.30 Uhr

Wolfsberg - SV Mattersburg18.30 Uhr

Sonntag:

Lask - Salzburg 15.00 Uhr