Salzburg/Nyon. Sensationen sind dazu da, auch frenetisch bejubelt und gefeiert zu werden. Wie man das macht, haben am Donnerstag die Salzburger vorgezeigt. Kaum stand fest, dass Österreichs Meister mit einem außergewöhnlichen 4:1-Heimsieg über Lazio Rom ins Halbfinale der Europa League eingezogen war, ließ es sich selbst Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz nicht nehmen, seinen Kickern in der Kabine persönlich zu gratulieren. "Es war ganz einfach gewaltig", sagte Mateschitz auf einem von Reinhold Yabo gefilmten und später online gestellten Video und setzte unter dem Jubel der Spieler fort: "Es war eine endlose Kette von Ereignissen. Vielen Dank, ihr seid’s ein super Team."

Dabei gab es nicht nur ein Ergebnis, sondern auch Historisches zu feiern: Salzburg steht als erster österreichischer Verein seit Rapid 1996 in einem Europacup-Semifinale. "Das sind Momente, die mir in meinem Leben keiner nehmen kann", frohlockte Xaver Schlager. Dabei hatte der ÖFB-Teamspieler wenige Tage davor nach der Pleite gegen den Lask gemeint, Salzburg sei nicht Barcelona. "Deshalb sind wir nicht ausgeschieden. Wir sind eher wie Roma", warf Stefan Lainer in Anspielung auf das überraschende Champions-League-Out der Katalanen scherzend ein. Das zweite römische Team kam gegen Salzburg schwer unter die Räder. "Es ist wie im Märchen", erklärte Lainer. Dem konnte auch Trainer Marco Rose nur zustimmen. Der ansonsten abgeklärte Coach wirkte nach dem größten Erfolg in der Red-Bull-Ära regelrecht verblüfft. "Wir haben bis zum 0:1 ein ordentliches Spiel gemacht. Was danach passiert ist, war außergewöhnlich", sagte der Deutsche.

Weniger außergewöhnlich, weil der Gegner bereits aus der Gruppenphase gut bekannt, ist wiederum das Los für das Halbfinale ausgefallen. Wie die Auslosung am Freitag in Nyon ergab, bekommen es die Salzburger hier mit dem französischen Top-Klub Olympique Marseille zu tun. Salzburg ist der Verein noch aus der Gruppenphase in guter Erinnerung. Einem 1:0-Heimsieg folgte auswärts ein 0:0, womit man ohne Niederlage den Gruppensieg holte. Gelingt eine Wiederholung, würde das österreichische Überraschungsteam im Finale am 16. Mai in Lyon stehen. In Salzburg geht man aber davon aus, dass die Franzosen schwieriger zu bezwingen sind. "Wenn man Marseille in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, weiß man, dass sie extrem stark sind. Es ist ein anderes Marseille, als wir im Herbst hatten", betonte Sportdirektor Christoph Freund, fügte aber hinzu: "Wir werden es genießen, dass wir da dabei sind. Aber wir wollen natürlich das Maximum erreichen, wir wollen natürlich in die nächste Runde."

Vorsichtig und optimistisch zugleich äußerte sich indessen Rose. "Wir haben uns beide entwickelt, jetzt geht es darum, die richtigen Mittel zu finden. Wir wissen, was es für ein schwieriges Heimspiel war, welche Druckphasen wir aushalten mussten, wo wir extrem fleißig verteidigen musten", sagte der Coach mit Blick auf die Spiele im Herbst. Aber "wir haben gemerkt, dass wir durchaus mithalten können".

Bayern trifft wieder auf Real

Einen immer wieder gern gesehenen Kracher hat wiederum die Auslosung des Champions-League-Semifinales in Nyon ergeben. Hier bekommt es der FC Bayern München mit Real Madrid zu tun. Die Spiele werden am 24./25. April und 1./2. Mai ausgetragen, das Finale steigt am 26. Mai in Kiew. Bayern gegen Real ist in der Vergangenheit zum Dauerbrenner geworden. Im vergangenen Jahr hatte sich Real im Viertelfinale gegen die Münchner auch dank äußerst fragwürdiger Schiedsrichter-Entscheidungen durchgesetzt und anschließend den Königsklassen-Titel verteidigt.

Im zweiten Halbfinale kommt es zum Duell zwischen Liverpool und AS Roma, wobei hier vom Papier her die Engländer das leichtere Los gezogen haben. Die Roma ist Außenseiter, wenngleich sie im Viertelfinale Barcelona ausgeschaltet hat. Insofern hat sie etwas mit Salzburg gemeinsam.