Mattersburg/Graz. (art) In der tipico-Bundesliga unbeirrt auf Meisterkurs, in der Europa League im Halbfinale - angesichts der Papierform stellte sich vor dem Halbfinale im ÖFB-Cup für viele lediglich die Frage, wie hoch der Sieg Red Bull Salzburgs im Mattersburger Pappelstadion ausfallen würde. Doch wer trotz der Tatsache, dass Salzburg sich zuletzt auch in der Bundesliga schwer gegen die Mattersburger getan hatte, geglaubt hatte, das Match gegen die Burgenländer würde zu einem Spaziergang für den Ligakrösus werden, der irrte gewaltig. Salzburg war zwar zumindest in der ersten Hälfte überlegen, die Mannschaft von Cup-Spezialist Gerald Baumgartner - Cupsieger mit dem FC Pasching 2013 sowie -Finalist 2014 mit dem SKN St. Pölten - ließ mit ihrer kompakten Defensive aber nur wenige Chancen zu und kam in der zweiten Hälfte ihrerseits zu einigen Möglichkeiten.

In der 71. Minute hatten die Salzburger Glück, als ein vermeintliches Kopfball-Tor von Mattersburgs Jano nicht gegeben wurde - Schiedsrichter Manuel Schüttengruber hatte den Ball bei der Abwehr von Salzburgs Ersatztorhüter Cican Stankovic nicht hinter der Linie gesehen. In der 83. Minute schließlich hatten die Mattersburger vom Elfmeterpunkt noch einmal die große Chance, vorzulegen, doch Stankovic parierte den Schuss von Salzburg-Leihgabe Smail Prevljak, über dessen Rückkehr erst entschieden werden soll. Die Verlängerung bot schließlich ein Spiel, in dem beide Teams eine Vorentscheidung herbeiführen hätten können. Salzburg versuchte, das Heft in die Hand zu nehmen. Stankovic stand bei einem Nedeljko-Malic-Kopfball (98.) nach einem Eckball aber erneut im Zentrum, Manuel Seidls Versuch strich über Salzburgs Gehäuse (115.).

Nach einem harten Kampf über 120 Minuten musste schließlich das Elfmeterschießen entscheiden. Davor hatte Baumgartner sich noch als Motivator versucht, seiner Mannschaft immer wieder zugerufen: "Der Pott gehört uns - jetzt kann nichts mehr schief gehen!" Doch es konnte. Denn während die Salzburger Schützen Valon Berisha, André Ramalho und Stefan Lainer ihre Elfmeter allesamt eiskalt versenkten, hielt Stankovic zwei Schüsse von Alois Höller und Manuel Seidl, dazwischen hatte ausgerechnet Mattersburgs Kapitän Malic den Ball in die Wolken katapultiert.

Mit dem 3:0 nach Elfmeterschießen stehen die Salzburger zum fünften Mal hintereinander im Finale, das wegen ihres Weiterkommens sowie ihres Halbfinal-Auftritts in der Europa League von 1. auf 9. Mai verschoben wird. Der Gegner wurde im Abendspiel zwischen Sturm Graz und dem SK Rapid ermittelt (nach Redaktionsschluss). Salzburgs Erfolgscoach Marco Rose wusste allerdings, dass auch eine gehörige Portion Glück im Spiel war: "Es war sehr intensiv, weil ich natürlich mitfiebere. Wir sind überglücklich, weil im Elfmeterschießen braucht man natürlich das nötige Quäntchen. Wir haben gewusst, wir müssen dranbleiben. Wir wollten im Elfmeterschießen konsequent bleiben, das haben die Schützen gemacht, und das hat auch Cican im Tor herausragend gemacht", sagte der Coach, der die "außergewöhnliche Mentalität" seiner Mannschaft hervorhob. Bei Baumgartner überwog freilich die Enttäuschung: "Wir haben Salzburg in Schach gehalten. Das Tor von Jano muss der Linienrichter sehen. Es ist schwer, gegen diese Mannschaft zu Null zu spielen und trotzdem nicht aufzusteigen."