Wien. (rel) Statistisch steht Rapid der Titel Rekordmeister vielleicht zu. 32 Mal haben die Wiener seit 1912 die österreichische Fußballmeisterschaft gewonnen, hinzu kommen 26 Vizemeistertitel sowie 14 Cup-Siege. Keine üble Bilanz an sich, allerdings hat das Zahlenwerk einen Schönheitsfehler. Der Glanz rührt aus bereits lang vergangenen Zeiten, als man noch binnen kurzer Zeit, so zum Beispiel zwischen 1912 und 1923 oder 1946 und 1960, jeweils acht Meisterschaften für sich entscheiden konnte. Verblasst ist auch die Erinnerung an die goldenen 1980er Jahre im Cup, als man drei Mal in Folge den Pokal jubelnd in die Höhe halten durfte.

Seitdem ist es rund um die siegesverwöhnten Grün-Weißen verdächtig ruhig geworden. Der letzte Bundesliga-Triumph ist bereits zehn Jahre her, im Cup sind es sogar 23 Jahre. Und wie seit Mittwoch feststeht, wird sich das auch nicht ändern. Denn wie schwer sich Rapid damit tut, die letzten Schritte zu setzen, konnte man im Cup-Semifinale gegen Sturm Graz sehen. Nicht nur war man zwei Mal in Rückstand geraten, sondern auch mehrmals an sich selbst gescheitert, wie einige große Fehler und vergebene Chancen - etwa durch Louis Schaub in der 89. Minute - zeigten. Dementsprechend schwer schlug sich das 2:3, das durch ein Kopfballtor von Sturm-Mann Emeka Eze in der Verlängerung entschieden wurde, auf das grün-weiße Gemüt. "Das ist extrem ärgerlich", betonte Trainer Goran Djuricin, der unter anderem die Schnitzer bei den ersten beiden Gegentoren durch Bright Edomwonyi beklagte. "Wir haben es ihnen leicht gemacht, in zwei, drei Situationen nicht gut verteidigt, das müssen wir abstellen. Wir hätten die Partie gewinnen können", sagte der 43-Jährige, dessen Zukunft weiter ungewiss ist.

Fredy Bickel, der als Geschäftsführer für die mögliche Verlängerung von Djuricins Vertrag hauptverantwortlich ist, war ebenfalls enttäuscht, fand aber auch Positives. "Ich habe die Ansätze einer großen Mannschaft gesehen, wie wir reagiert haben. In solch einer Partie zweimal einen Rückstand aufzuholen, das war Klasse. Wir haben schlussendlich unglücklich verloren", betonte der Schweizer, gestand aber ein: "Nach einer solchen bitteren Niederlage ist es für das gesamte Team schwierig." Die triste Stimmung auf den Punkt brachte hier Schaub. "Wieder kein Titel, das tut weh und ist bitter", sagte der Torschütze zum 1:1-Ausgleich. "Was die erste Halbzeit betrifft, können wir uns einiges vorwerfen. Wir hätten aber gegen Ende das Spiel entscheiden und das Momentum nützen können."

Sturm nutzte dagegen die laut Djuricin "blöden Fehler" von Rapid eiskalt aus und ging in der regulären Spielzeit durch den pfeilschnellen Nigerianer Edomwonyi zwei Mal in Führung (24. und 62. Minute), die Schaub (58.) und Giorgi Kvilitaia (84.) dann egalisierten. "Zum Schluss hat der Glücklichere gewonnen", meinte Djuricin und pries das Spiel als "Werbung für den österreichischen Fußball". Von einem "Fußballfest" sprach auch Sturm-Coach Heiko Vogel sowie von einem "verdienten" Sieg. Gleichzeitig lobte er auch die Leistung von Rapid. Aber Wiedersehen macht Freude: Auf die Grazer warten bis zum Finale gegen Salzburg am 9. Mai noch drei Meisterschaftspartien, unter anderem gegen Rekordmeister Rapid.