Hamburg. (art/apa/dpa) Der Hamburger SV ist ein echter Dinosauerier unter den Fußball-Mannschaften. Seit Gründung der deutschen Bundesliga 1963 sind die Hanseaten schon dabei, nie sind sie abgestiegen. Doch die Sache mit den Dinosauriern hatte bekanntlich einen Haken: Irgendwann sind sie ausgestorben. Und irgendwann, das mussten die Hamburger schon in den vergangenen Jahren erkennen, als man mehrmals dem Abstieg nur knapp entronnen ist, könnte auch ihre Existenz im Oberhaus vorbei sein. Dieses "Irgendwann" könnte schon am Samstag eintreten. Die Ausgangslage vor der 34. und letzten Runde ist eindeutig: Der HSV, mit 28 Punkten Vorletzter, muss am Samstag (15.30 Uhr) sein Heimspiel gegen die noch auf die Europa-League-Teilnahme hoffenden Gladbacher gewinnen und zugleich auf eine Heimniederlage des VfL, der zwei Punkte mehr auf dem Konto hat, gegen den bereits als Absteiger feststehenden Tabellenletzten 1. FC Köln hoffen. Dann würde er zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren in die Relegation gehen, in der am 17. und 21. Mai der Zweitliga-Dritte Holstein Kiel wartet. Im Falle des erstmaligen Abstiegs der Hamburger würde die deutsche Bundesliga in die Fußstapfen von England, Frankreich, Belgien oder der Schweiz treten. Dort gibt es ebenfalls keine Vereine, die dem jeweiligen Toplevel seit dessen Gründung ohne Unterbrechung angehören.

Rettungsanker in der Hansestadt

In Italien ist Inter der einzige regelmäßige Oberhaus-Vertreter, in Spanien zählten Real Madrid, der FC Barcelona und Athletic Bilbao immer zur höchsten Spielklasse. In Österreich trifft dies auf Rapid und Austria zu. Trotz der denkbar schwierigen Ausgangslage hat sich in Hamburg in den vergangenen Wochen eine Jetzt-erst-recht-Stimmung etabliert; mit Christian Titz, der im März auf den seinerseits nur 49 Tage im Amt befindlichen Bernd Hollerbach als Trainer gefolgt war, ist die Hoffnung zurückgekehrt. Der 47-Jährige gilt quasi als letzter Rettungsanker in der Hansestadt. Der frühere Nachwuchs-Trainer hat der Mannschaft wieder Selbstbewusstsein und eine spielerische Linie gegeben, unter ihm schmolz der Rückstand auf den Relegationsplatz von acht auf zwei Zähler - was allerdings auch an der schwächelnden Konkurrenz aus Wolfsburg lag. Unter dem im Februar geholten Coach Bruno Labbadia gelang erst ein Sieg. Trotz Schmähgesängen der Fans ("Wir steigen ab und kommen nie mehr wieder, aber wir haben Bruno Labbadia") gibt sich dieser zuversichtlich: "Ich weiß genau, was zu tun ist. Ich konnte diese Situationen eigentlich immer meistern", sagt Labbadia. 2014/15 bewahrte er den HSV vor dem Abstieg. Diesmal kann seine Mannschaft das Schicksal der Hamburger Dinosaurier besiegeln.