• vom 15.05.2018, 18:30 Uhr

Fußball


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Die Spannung kam durch die Hintertür




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Von Tamara Arthofer

  • Joachim Löw nominiert die nach einem Erdogan-Treffen umstrittenen Mesut Özil und Ilkay Gündogan für die WM, auch der zuletzt verletzte Manuel Neuer ist dabei - nicht jedoch Mario Götze, Siegtorschütze im Finale 2014.

DFB-Coach Joachim Löw brachte Licht ins Dunkel. Nur wenige Fragen sind noch offen.

DFB-Coach Joachim Löw brachte Licht ins Dunkel. Nur wenige Fragen sind noch offen.© Patrick Stollarz/afp DFB-Coach Joachim Löw brachte Licht ins Dunkel. Nur wenige Fragen sind noch offen.© Patrick Stollarz/afp

Dortmund/Wien. Kaderbekanntgaben für Länderspiele sind an sich ja eine eher protokollarische Sache, deren Spannungsgehalt, sieht man einmal von den Betroffenen ab, sich in überschaubaren Grenzen hält. Wenn ein Weltmeister-Coach aber zur Bekanntgabe jener Mannschaft lädt, mit der er die Mission Titelverteidigung angehen will, sieht die Sache schon ein bisschen anders aus. Noch mehr gilt dies freilich, wenn zwei deutsche Nationalspieler, die seit Jahren zum Fixaufgebot zählen, nur einen Tag davor und inmitten des Wahlkampfes für die vorgezogenen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 24. Juni in der Türkei gemeinsam mit dem türkischen Staatschef Recep Tayypi Erdogan posiert haben. Genau dies haben Mesut Özil und Ilkay Gündogan am Montag in London getan. Zahlreiche Politiker sämtlicher Lager - allen voran freilich der rechtspopulistischen AfD -, aber auch Organisationen wie Reporter ohne Grenzen, haben den Auftritt scharf kritisiert; in einer Internet-Petition wurde der Rauswurf der beiden Spieler mit türkischen Wurzeln, die beide in Deutschland geboren sind, gefordert. Reinhard Grindel, der Präsident des deutschen Fußballverbandes DFB, hatte noch am Montag verkündet, es sei "nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine (Erdogans, Anm.) Wahlkampfmanipulationen missbrauchen lassen". Am Dienstag gab er sich dann versöhnlicher: "Menschen können Fehler machen, wir müssen aber das Maß wahren und schauen, dass wir zu einem Miteinander finden."

Damit war dann auch klar, was ohnehin erwartet worden war: dass Teamchef Joachim Löw, dessen Vertrag bis 2022 verlängert wurde, nicht auf die beiden Mittelfeldspieler verzichten würde. "Beide haben beteuert, dass sie keine politische Botschaft senden wollten, und bedauert, dass es zu solchen Irritationen gekommen ist", sagte Löw. Natürlich werde man sich noch unterhalten, aber: "Ich kenne sie seit Jahren, sie sind beide sehr gute Charaktere, die auch viel für die Integration in Deutschland getan haben."


"Warum in Grenzen denken?"
Tatsächlich hat Özil beispielsweise 2010 den "Bambi" für Integration erhalten und mehrfach abgelehnt, auf die Herkunft seiner Familie angesprochen zu werden. "Ich habe in meinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht", sagte er etwa während seines Engagements bei Real Madrid im Jahr 2012. "Was bin ich dann? Ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke? Warum denken wir immer so in Grenzen?" Die im Raum stehende Frage, wie es dazu kommen konnte, dass mit dem Treffen Wahlkampfpropaganda betrieben werden konnte - Erdogans Partei AKP verbreitete die Bilder über die sozialen Netzwerke -, mussten schließlich Grindel, Löw und Teammanager Oliver Bierhoff beantworten: In den Gesprächen habe sich ergeben, dass sich die Spieler "der Bedeutung nicht bewusst" gewesen seien, hieß es.

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Dokument erstellt am 2018-05-15 16:54:49



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