• vom 17.05.2018, 17:23 Uhr

Fußball

Update: 18.05.2018, 10:48 Uhr

Rücktritt

Der Bub gibt den Ball weiter




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  • Steffen Hofmann tritt nach 16 Jahren bei Rapid als Profi ab und wird Talente-Manager.

- © apa/Herbert Pfarrhofer

© apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. (rel) Rapids Showeffekt-Abteilung hat ihm den Abgang nicht gerade leicht gemacht. Emotional zumindest. Denn kaum hatte Rekordspieler Steffen Hofmann am Donnerstag im Wiener Kursalon Hübner die Bühne erklommen, um vor einem gefüllten Saal und zahlreichen Medienvertretern seinen Rückzug vom Profifußball zu erklären, rührten die eingespielten Klänge von Andrea Bocellis berühmter Ballade "Time to Say Goodbye" nicht nur die minutenlang stehend Applaudierenden im Publikum, sondern auch den aus Würzburg in Bayern gebürtigen Rekordspieler selbst fast zu Tränen. "Man ist auf so etwas nicht vorbereitet", sagte Hofmann mit gesenktem Kopf und sichtlich um Containance ringend; sprach davon, wie "überragend" seine Erlebnisse und Erfolge in den vergangenen 16 Jahren bei Rapid gewesen waren, um sich dann mit stockender Stimme bei seiner anwesenden Familie, bei seinen Kollegen und Trainern für eine "unglaubliche Zeit" zu bedanken. Namentlich nannte er nur zwei Wegbegleiter: Ex-Coach Josef Hickersberger ("Er war eine Art Vaterfigur für mich") und den früheren Präsidenten Rudolf Edlinger, der ihn kurz nach seinem Wechsel zu 1860 München im Jahr 2006 wieder nach Wien zurückgeholt hatte. Schon damals, nach dem Kurzausflug nach Bayern, habe er Rapid als seine Heimat erkannt, fügte der Deutsche hinzu und schloss seine Rede mit einer Liebeserklärung an Klub und Fans: "Es gibt nichts Schöneres, als vor Euch zu jubeln, für Euch zu spielen, für diesen Verein zu spielen. Danke."

Auf die Frage von Rapid-Platzsprecher und Moderator Andreas Marek, wie er sich nun fühle, antwortete Hofmann so, wie man es von ihm als grün-weißer Profikicker auf dem Rasen gewohnt war - emotional: Er fühle sich, sagte er, wie "ein kleiner Bub, dem man den Ball weggenommen hat". Obwohl, so ganz stimmte das freilich nicht. Schließlich erfolgte der Abgang des dreifachen Vaters ja aus freien Stücken. Zudem wird Hofmann Rapid, wenn auch in anderer Funktion, erhalten bleiben: als Talente-Manager in der Jugendbetreuung. Wie aus einem jungen Talent ein Rekordspieler werden kann, dafür ist der 37-Jährige ein gutes Beispiel: 539 Spiele, 127 Tore und 74 Europacup-Einsätze inklusive Europa-League-Gruppensieg (2015) sprechen eine deutliche Sprache. Hinzu kommen zwei Meistertitel (2005 und 2008), erfolgreiche Wahlen zum Fußballer des Jahres (2004 und 2009) sowie ein Torschützenkönig-Titel (2010).


Vom Spielmacher zum Kapitän
Seine Karriere als Spieler gestartet hat Hofmann bei den Amateuren und im B-Team des FC Bayern München, bevor er dann 2002 als "Frischg’fangter", wie es Präsident Michael Krammer in seiner Laudatio auf Hofmann ausdrückte, nach Wien wechselte. Bei Rapid machte sich der Mittelfeldkicker bald gemeinsam mit Andreas Ivanschitz als Spielmacher einen Namen, wurde Kapitän und führte die Grün-Weißen 2005 zum 31. Meisterschaftstitel. Nach dem Kurzausflug zu 1860 München, wo Hofmann sich sportlich nicht verwirklichen konnte, wurde er trotz Verletzungsphase bald wieder die spielbestimmende Figur bei Rapid und krönte sein Comeback 2008 mit Kapitänsschleife mit dem nächsten Titel. Von den Fans wird der Deutsche seither als "Fußballgott" verehrt, verkörpert er doch für viele den typischen Rapidspieler, der sich vor allem durch hohe Einsatzbereitschaft und Ausdauer auszeichnet. Auch für seine gefährlichen Freistöße und präzisen Torvorlagen ist Hofmann bekannt. So wurde er etwa 2007/08 mit 28 Torvorlagen bester Vorbereiter in Europa.

Eine besondere Vorlage anlässlich seines Abschieds hat sich indessen die Rapid-Führung einfallen lassen und für den 22. Juli ein Abschiedsspiel für Hofmann organisiert, bei dem die Kampfmannschaft der Wiener auf eine Auswahl "Steffen und Freunde" treffen wird. Hofmann wird hier aus dem Vollen schöpfen können.




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Dokument erstellt am 2018-05-17 17:27:52
Letzte Änderung am 2018-05-18 10:48:52



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