- © Reuters/Toru Hanai
© Reuters/Toru Hanai

Kasan. (jm) Tore? Verhindern. Räume? Zustellen. Während sich die Spanier mit hunderten Pässen im Powerplay um den iranischen Strafraum herum abmühten, wirkten die Asiaten lange so, als wollten sie den Ball lieber gar nicht haben. Das machte das Spiel behäbig und unansehnlich. Aber der Plan des Iran ging fast auf: Der klare Favorit tat sich schwer, war unter Druck, von Minute zu Minute schien die Sensation möglicher. Am Ende gewann die "Furia Roja", trotz aller Überlegenheit, absurd glücklich mit 1:0.

Die Iraner beschränkten sich wie erwartet auf ihre Defensivreihe, die immer wieder aus sechs bis acht Mann vor dem eigenen Tor bestand, und machten den Raum für die ständig anlaufenden Spanier eng und kaum durchdringbar. Eine halbe Stunde nervte der Iran die Spanier so, bis der Weltmeister von 2010 zu seiner ersten Chance im gegnerischen Fünfmeterraum kam. Nach einer kurz abgespielten Ecke fiel die Flanke von Iniesta etwas zu lang aus, Gerard Pique köpfte den Ball zurück in den Sechszehner, wo ihn Silva fallrückzieherartig über das Tor zirkelte. Schön anzusehen, aber eben auch nur daneben.

Kurz vor der Pause kombinierten sich die Spanier tatsächlich einmal spanisch durch den iranischen Beton. Iniesta massierte den Ball zu David Silva, der schoss halbrechts von der Strafraumkante in Richtung Tor, aber vor dem Gehäuse tauchte im ersten Durchgang stets wie aus dem Nichts ein Iraner auf, der sich samt seinem Leben in den heranfliegenden Ball warf - so auch hier.

Und dann wurde es selbst für die Iraner zu eng. Zunächst unternahmen die Asiaten einen zufälligen Kurzausflug in den gegnerischen Strafraum und setzen einen ansehnlichen Volley ans Außennetz (53.). Praktisch im Gegenzug spielte Iniesta einen Steilpass auf Atletico-Stürmer Diego Costa, der wollte aus der Drehung schießen, doch wieder war ein Iraner dazwischen; nur schoss dieser Costa ans Schienbein und der Ball rollte rechts unten ins Tor. Kein Treffer kann dieses Spiel bis dahin besser erklären.

In der Folge verließ der Iran tatsächlich öfter seine eigene Hälfte, kam zu Chancen. Dann: Tor! (62.) Der Iran liegt sich in den Armen, der Torschütze küsste den Rasen. Aber: Videobeweis! Ein Freistoß auf Mehdi Taremi, dessen Kopfball ließ Spanien-Keeper David de Gea abtropfen, den der im Abseits stehende Saeid Ezatolahi mit Wucht ins Netz schoss. Dann wurde die Partie tatsächlich ansehnlich, es gab deutlich mehr Chancen auf beiden Seiten. Eine einstudierte Eckballvariante in der 69. Minute endete mit drei blockierenden Iranern auf der Torlinie und wildem spanischen Gestocher - kein Tor. Acht Minuten vor dem Ende zeigte der Underdog, dass er nicht nur verteidigen kann, Vahid Amiri tunnelte Sergio Ramos auf der linken Außenbahn, Flanke auf den heranstürmenden Mehdi Tameri, aber sein Kopfball ging knapp am Tor der Spanier vorbei. Der Ausgleich war zu dieser Zeit absolut möglich. Die Spanier verloren in der zweiten Hälfte die völlige Kontrolle über die Partie. Schlussendlich blieb es beim auch ein Stück weit kuriosen wie glücklichen 1:0 für den Favoriten.