St. Petersburg. (art) Als alles vorbei war, wurde erst einmal geherzt und gebusselt. Minutenlang stand Lionel Messi im Kreise seiner Mitspieler und feierte, sichtlich gezeichnet, aber noch weniger als Diego Maradona auf der Tribüne, den 2:1-Sieg über Nigeria im letzten Vorrundenspiel der Gruppe D, der Argentinien quasi am letzten Drücker ins Achtelfinale der WM in Russland brachte. Zwischenzeitlich sah Argentinien sich schon seine Koffer packen, als man bis wenige Minuten vor Schluss beim Stand von 1:1 war und Island im Parallelspiel ebenfalls bei demselben Ergebnis gegen Kroatien hielt.

Dabei hatte alles für Argentinien und Messi nach Plan begonnen: In der 14. Minute gelang ihm nach einem Zuckerpass von Éver Banega und ebenso sehenswerter Ballannahme per Schuss ins lange Eck der Führungstreffer. Auch danach war Messi, im Sturm neben Gonzalo Higuaín aufgeboten, der auffälligste Spieler seiner Elf, die auch sonst eine bessere Leistung bot als in den bisherigen Gruppenspielen gegen Island (1:1) und Kroatien (0:3). Doch einerseits wehrten sich auch die Isländer im Spiel gegen die bereits aufgestiegenen Kroaten zunächst wacker, andererseits fing man sich kurz nach der Pause den Ausgleich durch einen von Victor Moses verwerteten Elfmeter ein. Javier Mascherano hatte Leon Balogun etwas zu innig in den Arm genommen - eine harte, aber vertretbare Entscheidung.

Danach hatten beide Mannschaften in einer hitzigen Partie ihre Möglichkeiten - die seine nützte Argentiniens Innenverteidiger Marco Rojo, der zuvor beinahe einen Elfer verschuldet hätte, schließlich zum 2:1 (86.). Damit steht Argentinien zumindest im Achtelfinale. Nigeria ist ebenso wie Island, das gegen Kroatien ebenfalls mit 1:2 verlor, aus dem Rennen.

Lionel Messis WM-Traum indessen geht weiter. Seine Person hatte zuletzt für heftige Diskussionen gesorgt. Nicht selten heißt es, dass er wie ausgewechselt ist, kaum dass er das Trikot des FC Barcelona aus- und jenes seines Heimatlandes, dem er schon als Teenager den Rücken gekehrt hatte, anzieht. Das ist freilich nicht einmal die halbe Wahrheit. Seit seinem Debüt im Jahr 2005 - kurz nachdem er die U20-Mannschaft im Finale gegen Nigeria zum WM-Titel geschossen und sich selbst zum Torschützenkönig und besten Spieler des Turniers gekürt hatte - hat er 127 Länderspiele bestritten und 65 Tore erzielt, fast doppelt so viele wie Diego Maradona (allerdings in weniger Spielen), mit dem er stets verglichen wird. Und wer weiß, hätte Argentinien, das 2002 beim bisher letzten Turnier ohne Messi zum bis dato letzten Mal in der Vorrunde ausgeschieden war, seit damals überhaupt soviel erreicht: die Finali der Copa América 2007, 2015 und 2016, jenes der WM 2014.

Die WM dürfte das letzte Turnier des Superstars werden, und der argentinische Fußball wird sich demnächst auf eine Zukunft ohne seinen Superstar, der aus persönlicher Enttäuschung und wegen Problemen im Verband schon einmal zurückgetreten war, ein- und dabei völlig neu aufstellen müssen. Denn die Probleme liegen tiefer, als Messis Blick nach den schwachen Leistungen zum WM-Start vermuten ließ. Streitigkeiten im Verband, fehlende Nachwuchsarbeit und mangelndes Organisationsvermögen haben Argentiniens Fußball Jahre gekostet. Noch kann Messi die Probleme zudecken.