Samara. Sich wie die deutsche Elf beim Check-in für den Flug nach Hause anstellen? Nein, das wollte man nicht. Wobei: So ganz unrealistisch war das für die kolumbianische Nationalteam am Donnerstag keineswegs gewesen. Nun hatte man zwar die Auftaktpleite gegen Japan mit einem eindrucksvollen 3:0 gegen Polen vergessen gemacht und dank endlich aufgewachter Stars wie James Rodríguez, Radamel Falcao und Juan Cuadrado den Anschluss in der Gruppentabelle halten können. Nur gewonnen war damit nichts. Um die von Teamchef José Pékerman ausgegebene Losung ("Wir sind hierhergekommen, um die Gruppenphase zu überstehen") zu realisieren, musste für Kolumbien gegen Senegal ein Sieg her. Der war hart erkämpft, aber immerhin.

Kolumbianer wie Senegalesen starteten vorsichtig, ließen das Leder um den Mittelkreis rotieren. Die erste Chance nach zwölf Minuten hatte Juan Quintero, als er einen Freistoß aus guter Distanz aufs Tor von Senegals Goalie Khadim N’Diaye lenkte, der aber parierte. Die Westafrikaner reagierten und hatten beinahe - nach einer foulverdächtigen Aktion von Davinson Sánchez im eigenen 16er - das 1:0 vom Elferpunkt am Fuß (18. Minute). Referee Milorad Mažić ging zum Monitor - und entschied korrekt gegen Strafstoß. Auf diesen Schreck folgte sogleich der nächste für die Kolumbianer: James Rodríguez musste verletzt vom Platz (31.). Nun, sein Beitrag in den ersten 30 Minuten war ohnedies überschaubar gewesen.

Erlösung durch Yerry Minas

Eine zwingende Torchance konnte bis zum Pausenpfiff aber weder die eine noch die andere Seite herausspielen. Und Senegal konnte sich ja (zu dem Zeitpunkt) mit einem 0:0 zufriedengeben, nur für die Südamerikaner war das keine Option. Weswegen auch nach der Pause eine Steigerung hermusste. Die erschöpfte sich aber zunächst nur in einigen Flanken. Das Heft in der Hand behielten aber die Afrikaner - wohl beflügelt durch die Nachricht aus Wolgograd, dass dort die Polen zum 1:0 gegen Japan getroffen und Senegal damit den ersten Platz in der Gruppe fix hätte. Unverdient war das nicht, was unter anderem daran abzulesen war, dass die erste Ballberührung eines Kolumbianers (Falcao) im gegnerischen 16er erst in der 61. Minute erfolgte. Fürs Aufwärmen etwas lang, aber dafür löste sich in der 74. Minute endlich der Knopf. Yerry Mina sprang höher als die Abwehrspieler und traf mit einem großartigen Kopfball in die rechte Seite des Tores. Damit war Senegal, weil punkte- und treffergleich mit Japan, plötzlich jenes Team, das vorzeitig heimgeschickt wurde. Was für ein Krimi. Kolumbien blieb der Check-in erspart. Ebenso Japan.