Die bisherigen Fan-Märsche verliefen problemlos. Foto: Schweizer Fanbotschaft
Die bisherigen Fan-Märsche verliefen problemlos. Foto: Schweizer Fanbotschaft

Rostow/Moskau. Mit jeder Minute wächst der anfangs noch überschaubare, rote Kern an, mit jedem Meter gesellen sich neue Wegbegleiter dazu, um gemeinsam zur Rostow-Arena zu pilgern, wo die Schweizer Fans ihr Team gegen Brasilien anfeuern werden. Es mischen sich auch Einheimische, Touristen und Brasilianer unter die Rotgekleideten. Die Fans singen, trommeln und klatschen. Ihr Weg führt über die Hauptstraße entlang, auf den Balkonen werden die Handys gezückt, die Leute fotografieren und filmen. Der Marsch dauert fast eine Stunde, am Ende sind etwas mehr als 1000 Fans mit dabei.

"Die Atmosphäre ist bei uns immer völlig locker", sagt Lukas Meier an jenem Tag, an dem die Schweiz zum Auftakt der Gruppenphase ein 1:1 gegen den Favoriten erkämpfen sollte. "Wir sind eher karnevalsmäßig unterwegs." Meier und seine Kollegen von der Schweizer Fanbotschaft haben es erreicht, dass die Fans überhaupt gemeinsam in dieser Zahl zum Stadion gehen können. Die Fanvertreter haben in Rostow am Don den lokalen Polizeichef getroffen, um die Bewilligung für den Marsch zum Stadion einzuholen. Fanbotschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Fußballanhänger bei den jeweiligen Spielen ihres Landes zu betreuen und zwischen ihnen und allen Institutionen sowie Behörden zu vermitteln. "Angesichts des gigantischen Sicherheitsapparats hier in Russland kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Fanmarsch ohne unserer Arbeit möglich wäre", sagt Meier. Die Fanbotschaft steht auch laufend im Kontakt mit der Schweizer Polizei. In Kaliningrad vor der Partie gegen Serbien hat die örtliche Polizei den geplanten Marsch dennoch aus Sicherheitsgründen untersagt, beim Spiel in Nischni Nowgorod hat es wieder geklappt.

Die Fankultur hervorheben

Die Botschaften empfangen die Fans in den Austragungsstädten, versorgen die Anhänger mit nützlichen Informationen zur Stadt, stehen bei allen, offenen Fragen beratend zur Seite oder helfen bei Orientierungsschwierigkeiten. Zusätzlich wird eine 24-Stunden-Hotline angeboten. Der Grundsatz hinter den Angeboten basiert auf einer respektvollen Begegnung auf Augenhöhe. "Behandelt man Fans als willkommene Gäste und nicht als Sicherheitsrisiko, wird sich dies auch auf ihr Verhalten auswirken", sagt Ronan Evain, Vorsitzender von Football Supporters Europe (FSE).

Sicherheits- und Wodkaexpertise

Die Organisation vermittelt als internationaler Fan-Dachverband. Die nationalen Fanbotschaften werden von jeweiligen Ländervertretungen, die eng mit FSE zusammenarbeiten, auf die Beine gestellt. Bei der WM in Russland gibt es 20 verschiedene Organisationen, die Fanbotschaften auf die Beine gestellt haben. "Mit unserer Arbeit möchten wir die positiven Aspekte der Fankultur hervorheben", sagt Evian.