Mit einer Touristeninformation möchten die Fanbotschaften, die von Fans für Fans organisiert werden, aber nicht verwechselt werden. Sie sollen als Vermittlungsstelle zwischen Fans und allen beteiligten Institutionen des Fußballs dienen. Im Vordergrund stehen präventive, soziale Maßnahmen. Die Kernprinzipien umfassen unter anderem die strikte Ablehnung von Gewalt. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Fanbotschaften eine wichtige Ergänzung zu den herkömmlichen Sicherheitskonzepten bei Fußballevents darstellen können. Der Ursprung dieses Konzepts führt ins Jahr 1990 und nach Italien, wo es anlässlich der WM erstmals derartige Angebote für englische und deutsche Fans gab. Im Verlauf der nachfolgenden Turniere wurde die Arbeit weiterentwickelt. Viele nationale Vertretungen produzieren im Laufe des Turniers auch eigene Zeitschriften. Die Fanzeitschriften haben schon eine gewisse Tradition entwickelt. "Die Anhänger freuen sich schon immer, wenn sie wissen, dass es am Spieltag ihres Landes wieder eine neue Ausgabe gibt", sagt Elena Erkina von der russischen Fanbotschaft. Die deutsche Fanbotschaft bringt bei jedem Turnier eine Fanzeitschrift heraus, in Russland etwa "Helmut". Das Heft erscheint an jedem Spieltag und stellt unter anderem Austragungsstadt und das gegnerische Team vor. In der ersten "Helmut"-Ausgabe wurde in einem eigenen Artikel auch erklärt, wie man Wodka richtig genießt und welche russischen Trinksprüche sich anbieten.

"Wir kennen die Angewohnheiten der Fans"

Die Hauptaufgabe sehen die Vertretungen aber in der Koordination und Vermittlung. Die russische Fanbotschaft arbeitet auch mit dem Tourismusbüro zusammen. FSE kooperiert mit nationalen Fanverbänden, lokalen Fanklubs oder einzelnen Anhängern. "Wir machen Lobbying für die Interessen der Fußballfans", erklärt Evain. "Unser Vorteil ist, dass wir das Verhalten und die Angewohnheiten von Fans kennen und dieses Wissen berücksichtigen und weitergeben."

Die Fanorganisation macht sich in Kampagnen für die Stehplätze in den Stadien, leistbare Eintrittspreise, die Rechte von Auswärtsfans und Antidiskriminierung stark. Dabei arbeitet FSE mit Anwälten, die im Bereich der Fanarbeit spezialisiert sind, zusammen. Elena Erkina von der russischen Fanbotschaft sieht in ihrem Heimatland die Notwendigkeit, diesen Kontakt auszubauen. "Es ist notwendig, dass sich die Behörden auf die Bedürfnisse der Fans einstellen. Nur dann kann eine gute Zusammenarbeit funktionieren", sagt sie. "Der Kontakt mit der Polizei ist sehr wichtig, um die laufenden Vorgänge aufeinander abzustimmen", sagt Evain. Zusammenarbeit gibt es auch mit den diplomatischen Vertretungen der Länder.

Gelassenheit und Reisestrapazen

Auch für die Fanvertretungen ist das Turnier aufgrund der enormen Distanzen ein besonders herausforderndes. Hinzu kommt, dass diese Form der Zusammenarbeit für die Fifa beinahe Neuland darstellt. "In diesem Ausmaß gibt es Fanbotschaften nach 2006 nun erst zum zweiten Mal bei einer WM", sagt Evain. Die Fanbotschaften haben schon oft mit der Uefa bei Europameisterschaften zusammengearbeitet. "Wir sind sehr optimistisch, dass weiterhin alles gut verläuft." Auch, was die vor dem Turnier weit verbreitenden Befürchtungen betrifft, was Hooligan-Angriffe betrifft. "Wir nehmen das Risiko nicht so hoch wahr. Die Behörden haben sehr viel dafür getan, dass nichts passiert", meint Evain. Für FSE ist es wichtig, mit allen Fans in Kontakt zu treten. "Entscheidend ist für uns, dass eine Atmosphäre vorherrscht, in der keine negativen Spannungen herrschen."

Positive Emotionen möchte auch der Schweizer Fanbotschafter Lukas Meier wieder in Sankt Petersburg sehen, wenn sein Land heute (16 Uhr MESZ) im Achtelfinale auf Schweden trifft. "Es gab bei unseren Märschen eigentlich noch nie Probleme", sagt Meier. Er rechnet mit 2000 Schweizer Fans, die städtische Behörde gab bereits grünes Licht.