Trotzdem war kein großer Klasseunterschied zwischen Europa und Südamerika auszumachen. Für die Südamerikaner ist es auch unglücklich gelaufen, Schlüsselspieler wie etwa Uruguays Edinson Cavani gegen Frankreich, fehlten in entscheidenden Partien, und Brasilien hatte bei der 1:2-Viertelfinalniederlage gegen Belgien genügend Chancen auf den Ausgleich.

Generell war die Dichte sehr hoch, weshalb sich Favoriten wie Deutschland oder Spanien schnell verabschieden mussten und ein kleines Land wie Kroatien ins Finale einziehen konnte. Kroatien ist überhaupt ein rätselhaftes Phänomen und ein Ausreißer: Die Strukturen im Nachwuchs sind mit denen in Deutschland nicht zu vergleichen - und fast sämtliche Schlüsselspieler der Kroaten durchliefen in ihrem Heimatland die Nachwuchsabteilungen. Trotzdem bringt dieses Land, das nicht viel mehr Einwohner als Berlin hat, Talente und hochbegabte Spieler im Überfluss hervor.

Kroatiens Spiel fällt ein
wenig aus dem Rahmen

Freilich beherrscht auch Kroatien das Dichtmachen von Räumen und die Standardsituation. Doch Kroatien spielte bisher anders als Frankreich - wozu das Team allerdings auch gezwungen war, weil es immer wieder einem Rückstand nachlaufen musste. Kroatien hatte in all seinen K.o.-Spielen seine Gegner mit einem Übergewicht an Ballbesitz bedrängt und sich so viele Chancen - und im Halbfinale gegen England auch beide Tore - aus dem Spiel heraus erarbeitet.

Und nicht nur das war gegen den Trend dieser WM: Ein Rückstand konnte bei diesem Turnier von kaum einem Team umgebogen werden, Kroatien gelang das gleich drei Mal. Denn die Feurigen besitzen neben ihrer großen individuellen Klasse etwas, das nur schwer analysiert werden kann, und genau deshalb das Herz von Fußballromantikern höher schlagen lässt: einen großen Teamgeist und viel Leidenschaft.