• vom 23.07.2018, 16:52 Uhr

Fußball

Update: 23.07.2018, 17:08 Uhr

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Ein Rücktritt als Politikum




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Von Tamara Arthofer

  • Nach Özils Rücktritt geht die Debatte über Integration im Fußball und darüber hinaus erst so richtig los.

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London/Frankfurt am Main. (art) "Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher" - man erinnert sich noch gut an jene Schlagzeile, die die "Krone" im Juni 1998 Ivica Vastic, dem zwei Jahre davor die rot-weiß-rote Staatsbürgerschaft verliehen worden war, nach dessen WM-Tor gegen Chile widmete. Wem diese nachträgliche Einbürgerung durch des Landes auflagenstärkste Zeitung damals schon merkwürdig erschien, der konnte ob der jüngsten Einwicklungen im deutschen Fußball- und Boulevard-Kosmos nur den Kopf schütteln. Denn im Fall Mesut Özils schien die Lage lange Zeit noch klarer: Geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen, durchlief der heute 29-Jährige die Nachwuchsauswahlen Deutschlands, wurde 2009 erstmals ins A-Nationalteam einberufen, spielte seither mehr als 90 Mal für die DFB-Elf, schoss dabei mehr als 20 Tore und wurde 2014 als Teil der Weltmeistermannschaft gefeiert. Unvergessen sind auch die Bilder, auf denen Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn und seine Kollegen bei der erfolgreichen WM in Brasilien geherzt hatte.

Bis zum Mai 2018 galt Özil, dessen Familie kurz vor seiner Geburt aus der Türkei nach Deutschland gekommen war, geradezu als Musterbeispiel für das Gelingen von Integration - wofür er 2010 auch mit dem Bambi-Award ausgezeichnet worden war -; als Symbol einer Multikulti-Nationalmannschaft, die gemeinsam mit dem ghanaisch-stämmigen Jérôme Boateng oder den bereits zurückgetretenen Miroslav Klose und Lukas Podolski, beides Spieler polnischer Herkunft, und den vielen anderen Großes erreichen konnte. Doch dann posierte der bei Arsenal in London spielende Özil ebendort gemeinsam mit seinem ebenfalls in England engagierten Teamkollegen Ilkay Gündogan für ein Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, der sich gerade im Wahlkampfmodus befand. Über den AKP-Twitteraccount verbreiteten sich die Bilder wie ein Lauffeuer im Internet - und als Özil dazu schwieg, das Krisenmanagement des deutschen Fußballbundes DFB ebenso versagte wie die gesamte Mannschaft bei der WM, wurde der Spieler zunehmend Zielscheibe der Kritik. Neben dem Befremden über den Auftritt mit dem autokratischen Staatschef, dessen Wahlkampfpropaganda in Deutschland ebenso unwillkommen war wie in Österreich, trat dabei auch offener Rassismus zutage.


Grindel "inkompetent"
Während manche es bei der Kritik über den gemeinsamen Auftritt beließen, gaben andere Özils Wurzeln unverblümt die Schuld am historischen Vorrundenaus Deutschlands bei der WM. Einige Politiker des rechten Lagers forderten Özils Rücktritt, selbst Teammanager Oliver Bierhoff meinte im Nachhinein, dass es vielleicht besser gewesen wäre, man hätte auf ihn verzichtet.

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Dokument erstellt am 2018-07-23 16:59:13
Letzte Änderung am 2018-07-23 17:08:49


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