Ajax Amsterdam erwies sich zuletzt für Rapid in der Europacup-Qualifikation 2015/16 als harte Nuss. - © apa/Pfarrhofer
Ajax Amsterdam erwies sich zuletzt für Rapid in der Europacup-Qualifikation 2015/16 als harte Nuss. - © apa/Pfarrhofer

Amsterdam. (rel/apa) Ajax Amsterdam ist für Österreichs Bundesligisten kein Unbekannter. Bereits acht Mal trafen die Niederländer seit 1989/90 im Europacup mit heimischen Klubs zusammen, zuletzt war es Rapid, das Ajax vor drei Jahren in der dritten Runde aus der Champions-League-Qualifikation warf. Ein Kunststück, das Sturm Graz heuer gern wiederholen würde - und daher im Hinspiel der zweiten Runde am Mittwoch in Amsterdam (20.30 Uhr/ ORFeins) unbedingt einen Erfolg anstrebt.

Aber selbst wenn das den Steirern gelingen sollte, wird die Mission Champions League schwierig genug. Um die Gruppenphase zu erreichen, müssten die Blackys nach Ajax noch zwei weitere europäische Schwergewichte aus dem Weg räumen. Schaffen die Grazer die Sensation, würde als nächster Gegner Standard Lüttich warten. Ansonsten bekommen sie es in der dritten Europa-League-Qualifikationsrunde mit Dundalk aus Irland oder dem zypriotischen Klub AEK Larnaca zu tun. Vorerst steht aber freilich Ajax im Fokus: "Wir reisen mit maximaler Vorfreude nach Amsterdam", meinte Trainer Heiko Vogel am Dienstag.

Alarmglocken bei Ajax


Dass Ajax Favorit sei, das hörte man im Team immer wieder. Dennoch rechnen sich die Kicker einiges aus - so auch Peter Zulj: "Wir sind natürlich in Amsterdam auf Sieg getrimmt, alles andere wäre falsch", betonte der Nationalteamspieler. "Wir wissen, dass wir in den Umschaltphasen unsere Räume kriegen werden, die müssen wir gut nützen." Im Vorjahr scheiterten die Grazer in der dritten Runde der Europa-League-Qualifikation am türkischen Spitzenklub Fenerbahçe. "Wir haben gegen Fenerbahçe leider zu spät gemerkt, dass viel mehr möglich gewesen wäre. Mit dieser Erfahrung gehen wir in die Partie", erklärte Goalie Jörg Siebenhandl.

Der Kaderumbruch nach dem Cup-Erfolg war in der spielfreien Zeit ein Grazer Dauerthema. Trainer Vogel steht vor der Herausforderung, in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder eine harmonierende Elf auf den Rasen zu bringen. "Im Frühjahr haben wir wahnsinnig gut performt", rief Sturm-Kapitän Stefan Hierländer in Erinnerung. "Nun braucht es freilich eine Findungsphase."

Allerdings lief die Vorbereitung auch bei Ajax nicht rund. Spätestens nach einem alarmierend schwachen Test gegen Anderlecht (1:3) schrillten die Alarmglocken. Schlüsselspieler wie die WM-Teilnehmer Hakim Ziyech (Marokko), Nicolás Tagliafico aus Argentinien oder auch die beiden Dänen Lasse Schöne und Kasper Dolberg stiegen spät ins Training ein. Neuerwerbung Dušan Tadić könnte laut der gewöhnlich gut informierten niederländischen Zeitung "De Telegraaf" indes im Hinspiel eine Joker-Rolle zukommen, Rückkehrer Daley Blind stieß mit erheblichem Trainingsrückstand dazu.

Ungeachtet dieser Herausforderungen kann sich die Bilanz von Ajax sehen lassen: Der Klub hat in seiner 118-jährigen Geschichte alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Die Champions League durch den 1:0-Finaltriumph 1995 in Wien gegen den AC Milan, davor von 1971 bis 1973 dreimal in Serie den Meistercup, den Europacup der Cupsieger 1987 sowie den Uefa-Cup 1992. "Ajax ist einer der großen Vereine in Europa, mit unglaublich vielen Facetten: Landesmeistertitel, großen Spielern wie Johan Cruyff, die Ajax-Schule, die weltweit zu kopieren versucht wurde - Voetbal totaal", meinte Vogel. "All das liegt in der Vergangenheit, aber viel von dem Glanz ist noch in Ajax."

Der bisher letzte von 33 Meistertiteln der Amsterdamer liegt allerdings bereits vier Jahre zurück. Auch deshalb holte Sportdirektor Marc Overmars entgegen der Einkaufspolitik der vergangenen Jahre mit Tadić (29), Blind (28) und Zakaria Labyad (25) drei erfahrene Spieler. "Wir sind sicher noch einmal besser geworden", meinte Österreichs Ajax-Legionär Maximilian Wöber. Auch wenn Tadić und Blind nicht in der Startformation erwartet werden.

Hexenkessel Johan-Cruyff


Die Grazer erwartet in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam (mit 54.000 Sitzplätzen) jedenfalls ein Spektakel. Sturms Kapitän Stefan Hierländer hat das Oval während seiner Zeit bei Salzburg kennengelernt. "Uns erwartet eine gute Stimmung, ein tolles Stadion", erzählte er. "Wenn man einmal das Abschlusstraining in der Arena macht und durch die Gänge rennt und die Porträts der großen Spieler sieht, ist das schon imposant." Um weiterzukommen, müsse sein Team sehr nahe am Leistungsplafond spielen, fügte er hinzu. "Wir brauchen zwei Topleistungen gegen Ajax, dann ist alles drin."