Ein Präsident der alten Schule: Martin Pucher. - © apa/Hochmuth
Ein Präsident der alten Schule: Martin Pucher. - © apa/Hochmuth

Mattersburg. (art/apa) Martin Pucher ist ein Klubpräsident der alten Schule, kurz gesagt, er ist der SV Mattersburg. 1988 übernahm Pucher, selbst Mattersburger, den ortsansässigen Verein, der damals noch in der fünften österreichischen Leistungsklasse, der zweiten burgenländischen Landesliga, herumdümpelte. Pucher, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Commerzialbank Mattersburg, steckte selbst Geld in den Verein und akquirierte Sponsoren, holte hochdekorierte Spieler wie den weitgereisten Mattersburger Dietmar Kühbauer, mit denen 2003 schließlich der Aufstieg in die Bundesliga gelang, aus der man sich seither nur zwischenzeitlich - 2013 bis 2015 - verabschieden musste. Er wirkte maßgeblich an der Errichtung der Fußballakademie mit; das ehrwürdige Pappelstadion neben den namensgebenden Bäumen und dem markanten Viadukt wurde modernisiert, ausgebaut und sogar europacuptauglich gemacht und hat nun eine Kapazität von mehr als 15.000 Zuschauern.

Doch die große Euphorie nach dem (erstmaligen) Aufstieg, als im Schnitt mehr als 11.000 Fans in die knapp 7000 Einwohner zählende Kleinstadt pilgerten, ist ebenso vorbei, wie es die Erfolge Mitte der Nullerjahre sind, als der Verein zweimal im Finale des ÖFB-Cups stand und die Tabelle 2007 als Dritter beendete.

Sportlicher Neubeginn

Im Vorjahr gelang unter dem damaligen Trainer Gerald Baumgartner immerhin der Sprung vom Tabellenende auf Rang sechs sowie der Einzug ins ÖFB-Cup-Halbfinale; aktuell rangieren die Burgenländer aber mit drei Punkten aus vier Spielen nur auf dem elften Bundesliga-Platz. Pucher zog daher die Reißleine und krempelte die sportliche Führung um. Neben Baumgartner muss auch Franz Lederer als sportlicher Leiter gehen, er wird durch Robert Almer ersetzt. Dies ist einerseits nicht ganz unüberraschend. Baumgartner verwies im Gespräch mit der Austria Presse Agentur auf das mit ihm Erreichte, Lederer war ein Mattersburger Urgestein. Seit 2002 wirkte er als Co-Trainer, 2004 stieg er zum Interimscoach auf und wurde kurze Zeit später offiziell zum Cheftrainer ernannt - ein Posten, den er bis zum Abstieg 2013 inne haben sollte. Und selbst dann wurde er zwar als Trainer ersetzt, als sportlicher Leiter aber quasi befördert.

Almer "ein solider Kerl"

Doch genau dort könnte nun der Knackpunkt der aktuellen Krise liegen. Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich, Trainer und Sportdirektor hätten sich in Kompetenzstreitigkeiten verzettelt, was der nunmehrige Ex-Coach halbherzig, aber doch bestreitet ("Wir hatten ein korrektes Arbeitsverhältnis. Er hatte seine Arbeitsweise, ich meine"), Pucher aber gegenüber der APA nicht dementieren wollte: "Die beiden hatten seit Monaten keine Diskussionsgrundlage mehr", sagte er. Den Ausschlag hätten aber die sportlichen Leistungen gegeben, aufgrund derer er die Demissionen "für notwendig erachtet" habe. Und Pucher ist eben auch ein Mann, dessen Wort im Klub Gesetz ist. Man darf gespannt sein, wie die Neuausrichtung aussehen wird. Der neue Trainer - interimistisch übernimmt Markus Schmidt - soll bis Anfang September feststehen, hoch im Kurs steht Ex-Altach-Coach Klaus Schmidt. Der neue Mann Puchers Vertrauen als Sportchef indessen ist mit Almer ebenfalls ein alter Bekannter: Der 34-jährige Ex-Teamtormann, seit Sommer als Mattersburg-Tormanntrainer am Werk, hat selbst von 2006 bis 2008 für den Klub gespielt. Pucher: "Ein solider Kerl, der mir schon damals imponiert hat."