• vom 13.09.2018, 07:00 Uhr

Fußball

Update: 18.09.2018, 17:36 Uhr

Fußball

"Fußballfans sind ein dankbares Thema"




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Von Benjamin Schacherl

  • Anwalt Christian Podoschek vertritt Fußballfans vor Gericht. Im Interview spricht er über fragwürdige Formulierungen, Anstandsverletzungen und Pyrotechnik.


© Benjamin Schacherl © Benjamin Schacherl

Wien. In der vergangenen Woche lud das Innenministerium zur Veranstaltung "Sicherheit bei Sportveranstaltungen - Pyrotechnik". Die Ausnahmeregelung, die ein legales Abbrennen von Bengalen unter bestimmten Bedingungen ermöglicht, soll zwar bestehen bleiben, dürfte aber in Zukunft strenger ausgelegt werden. Der Generalsekretär des Innenministeriums, Peter Goldgruber machte darauf aufmerksam, dass eine Ausnahmebewilligung nur in bestimmten Fällen angewandt werden könne. Jedes Bundesligaspiel könne daher kein Anlass sein. Wenige Wochen vor dem Treffen ergab die Beantwortung des Innenministeriums nach einer Anfrage des SPÖ-Nationalratsabgeordneten Christian Kovacevic, dass es in den vergangenen fünf Jahren zu keinerlei Zwischenfällen oder Verletzungen gekommen ist, wenn Pyrotechnik legal eingesetzt wurde. Ersichtlich wurde zudem, dass die Gesamtanzahl aller Straftaten bei Spielen zurückging. Abseits der Pyrotechnik-Debatte wurde in den vergangenen Wochen viel über Sicherheitsvorkehrungen diskutiert, auch aufgrund von Problemen beim Europacup-Gastspiel der Fans von Slovan Bratislava in Wien-Hütteldorf. Der Stadionbesuch sei "keineswegs gefährlicher geworden", sagt Christian Podoschek. Der Fan-Anwalt geht selbst seit mehr als zwei Jahrzehnten auf den Fußballplatz und steht seit Jahren in der Fankurve von Rapid. "Ich nehme Fußballfans nicht als Bedrohung für die öffentliche Sicherheit wahr", sagt Podoschek. Im Interview spricht der Jurist über die Arbeit mit seinen Klienten, den Umgang von Politik und Medien mit Fußballfans und über die aktuelle Debatte, die sich auf einer "abschüssigen Bahn" befinden würde. Und er erklärt, warum Pyrotechnik nicht verboten werden sollte - obwohl sie Gefahren birgt.

"Wiener Zeitung": Die Statistik der vergangenen Jahre zeigt, dass die Straftaten bei Fußballspielen zurückgehen. Welche weitere Vorgehensweise erwarten Sie von der Politik?


Christian Podoschek: Ich hoffe, dass eine sachliche Diskussion geführt wird. Man sollte mit den Leuten reden, die sich tatsächlich in den Stadien bewegen. Ich höre oft Meinungen von Menschen, die mir erzählen, was da nicht für Chaoten und Wahnsinnige auf den Tribünen zu finden sind. Mit dieser Einstellung befindet sich die Debatte von Anfang an auf einer abschüssigen Bahn. Welcher vernünftige Mensch wird etwas dagegen haben, konsequent gegen Chaoten vorzugehen?

Von Fanseite ist niemand zur BMI-Veranstaltung eingeladen worden.

Es wäre schön gewesen, wenn ein Vertreter einer Fanszene die Möglichkeit gehabt hätte, eine Meinung abzugeben. Ultras sind keine Chaoten, sondern Menschen wie du und ich. Diese Gruppen sind komplex strukturiert, viele, die in maßgebenden Funktionen tätig sind, sind vif und können etwas auf die Beine stellen. Wie sonst bekomme ich eine Choreographie mit tausenden Leuten in die Kurve gezaubert? Das Klischee des besoffenen Fans stimmt so nicht, weil gerade aktive Fans darauf achten, einen klaren Kopf zu bewahren. Die politische und polizeiliche Repression konzentriert sich aber auf die aktiven Fanszenen.

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Dokument erstellt am 2018-09-12 17:18:08
Letzte Änderung am 2018-09-18 17:36:18


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