Werden Fußballfans anders angefasst als Normalbürger?

Ich denke schon. Wenn ich Anzeigenprotokolle durchblättere, fällt mir immer wieder auf, in welcher Sprache oft über Fußballfans geschrieben wird. Da werden viele Vorurteile transportiert. Ich kann aber auch verstehen, dass das passiert. Vorurteile sind menschlich.

Hat sich das politische Klima gegenüber Fußballfans in den letzten Jahren verändert?

Ich spüre seit vielen Jahren, dass Fußballfans ein dankbares Thema für Politiker sind, egal, welche Parteien gerade eine Regierung bilden. Für Politiker ist es in der öffentlichen Diskussion leicht zu sagen: "Gegen die müssen wir jetzt endlich durchgreifen!" Wenn ein vermeintliches Problem ausgemacht wurde, wird sehr schnell mit Verboten vorgegangen. Alternative Maßnahmen sind viel komplizierter. Dabei sollte man Verbote immer genau abwägen. Man schränkt damit die persönliche Freiheit der Menschen ein.

Sie vertreten vor Gericht Fußballfans. Mit welchen Sachverhalten setzen Sie sich zumeist auseinander?

Es geht vor allem um Pyrotechnik, also um bengalische Fackeln. Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie einen Fall hatte, bei dem jemand verletzt wurde. Das zweite Thema betrifft die angebliche Verletzung des öffentlichen Anstands. Das sind Fälle, in denen Fans mit Shirts, Bannern und Transparenten gesehen werden, die Aufschriften zeigen, die von der Polizei als anstößig empfunden werden. Dieser Themenkomplex ist sehr umstritten.

Warum?

Ich habe das Gefühl, dass die Polizei vor allem dann wegen Anstandsverletzung straft, wenn irgendein unerwünschtes Verhalten gesetzt wird, das sonst nicht strafbar ist. Doch wer legt fest, ob der Anstand verletzt wurde? Meist wird das aus dem Bauchgefühl des entscheidenden Polizisten und des Richters beantwortet. Darum geht es aber nicht. Entscheidend ist, wie es das jeweils anwesende Publikum empfindet. Es gibt Dinge, die im Stadion keine Anstandsverletzung darstellen, in einem noblen Wiener Innenstadtrestaurant aber schon.

Sie sind auch als Kooperationsanwalt der "Rechtshilfe Rapid" tätig. Warum braucht es einen derartigen Zusammenschluss überhaupt?

Es ist eine sinnvolle Einrichtung, weil Fans dabei geholfen wird, zu verstehen, was die eigenen Rechte sind und wie sie sich richtig verhalten. Das ist wichtig im Sinne der Waffengleichheit. Die Polizei und der Staat haben ausgebildete Juristen, die ihre Möglichkeiten genau kennen. Viele Fußballfans wissen aber nicht, wie sie sich wehren können und welche Rechte sie haben.

Unter anderem gegen Rapid-Fans wurde in der Vergangenheit immer wieder der Landfriedensbruch-Paragraf angewandt. Wie beurteilen Sie dieses Vorgehen?