Damit werden größere Menschenansammlungen pauschal bestraft. Das halte ich rechtspolitisch für problematisch. Jemand nimmt an einer Massenansammlung in irgendeiner Weise teil, hat selbst keine Sachbeschädigung oder Körperverletzung begangen, wird aber belangt. Schneller, als man denkt, rutscht man in eine Strafbarkeit hinein, weil man sich in einer Gruppe aufgehalten hat. Man sollte diesen Straftatbestand grundlegend überdenken.

Die meisten Ihrer Fälle drehen sich um das Pyrotechnikgesetz. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Ich will gar nicht abstreiten, dass eine heiße Fackel, die in einer Menschenmenge entzündet wird, Gefahren birgt. Aber ist es notwendig, darauf mit Verboten zu reagieren? Der Gesetzgeber erlaubt viele gefährliche Freizeitbeschäftigungen. Man darf Ski fahren, obwohl wir alle wissen, dass es dabei jedes Jahr unzählige schwere Verletzungen und manchmal auch Tote gibt. Das Gleiche gilt für Autorennen oder Motorrad fahren. Das liberale Prinzip in der österreichischen Verfassung ist immens wichtig. Die Menschen sollen einen gewissen Freiraum haben und auch Dinge tun dürfen, die gefährlich sind. Womöglich muss man dafür bestimmte Regeln aufstellen, aber man kann so etwas dennoch erlauben. Der Preis für unsere liberale Gesellschaft ist, dass manchmal jemand zu Schaden kommt.

Die Ausnahmebewilligungen, die ein legales Abbrennen ermöglichen, könnten nun bald eingeschränkt werden.

Die Statistik zeigt uns, dass in den letzten Jahren nichts passiert ist, wenn Pyrotechnik legal abgebrannt wurde. Sollte sich jemand nicht an die Regeln halten, wird er dafür zur Verantwortung gezogen werden. Wenn man als Fan auf die Fantribüne geht, nimmt man das Restrisiko bewusst in Kauf. Das heißt ja nicht automatisch, dass ich mich auf der Fantribüne aufführen darf, wie ich will.

Als Pyrotechnik unter der damaligen ÖVP-Innenministerin Maria Fekter ausnahmslos verboten war, brannte es dennoch in den Fankurven. Glauben Sie, dass ein Verbot alle Fackeln zum Erlöschen bringen würde?

Nein, ich befürchte aber, dass es gefährlicher werden würde, wenn illegal gezündet wird. Die Leute vermummen sich dann, dadurch ist ihr Sichtfeld eingeschränkt. Sie tauchen in der Menge der Leute unter, um nicht erkannt zu werden. Das führt alles dazu, dass das Abbrennen von Fackeln tendenziell gefährlicher wird.

Die Fronten in der öffentlichen Diskussion scheinen verhärtet. Was würden Sie sich für die Debatte wünschen?

Eine Mäßigung der Worte. Es gibt oft wahnsinnig harte Aussagen, von Journalisten wie Funktionären. Es heißt dann immer, dass aufgeräumt werden müsse unter den Fans. Ich empfinde das als Doppelmoral. Die Verbände, Vereine, Spieler und Medien machen mit den Emotionen rund um den Fußball gutes Geld. Bei einem Wiener Derby gehe es angeblich um die Vorherrschaft in Wien. Es wird vieles hochgespielt. Wenn die so geschürten Emotionen überkochen, ist es wieder ein Skandal. Funktionäre und Journalisten sollten nicht bei jeder Gelegenheit die Emotionen anheizen.