Jubel bei Salzburg . . . - © apa/dpa/Hendrik Schmidt
Jubel bei Salzburg . . . - © apa/dpa/Hendrik Schmidt

Leipzig/Salzburg. (art) Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Leipziger Kicker am Donnerstagabend sogar einen Grund gehabt hätten, Salzburg dankbar zu sein. Nicht so sehr, weil der österreichische Doublesieger den Deutschen mit hohem Pressing und aggressivem Offensivspiel vor allem in der ersten Hälfte des Europa-League-Spiels schonungslos ihre Defensivschwächen aufzeigte, sondern vor allem, weil sich nach dem 3:2-Auswärtssieg der Salzburger die Fragen nach einer Wettbewerbsverzerrung, weil der kleine (Red-Bull-)Bruder im Stallduell womöglich nicht gegen den großen gewinnen dürfe, vorerst erledigt hatten.

Mit viel Bauchweh und erst nach einer Statutenänderung hatten die Regelhüter des Europaverbandes Uefa die beiden von Red Bull alimentierten Vereine am selben Bewerb teilnehmen lassen. Dass die beiden gleich in eine Gruppe gelost wurden, hatte dann aber doch einen bittereren Beigeschmack hinterlassen als das Getränk, dessen Vermarktung es für Dietrich Mateschitz mit dem Fußball-Engagement voranzutreiben gilt. Das alles rückte freilich nach dem intensiven Spiel, in dem die Salzburger vor der Pause durch Munas Dabbur und den immer wieder mit Leipzig in Verbindung gebrachten Amadou Haidara mit 2:0 in Führung gegangen waren, ehe der Ex-Salzburger Konrad Laimer sowie Yussuf Poulsen ausglichen und Joker Fredrik Gulbrandsen in der 89. Minute den Sieg der Österreicher fixierte, keine Rolle. Zu groß war der Ärger bei Leipzigs Sportdirektor und Trainer Ralf Rangnick sowie den Spielern, die von einer "Katastrophe", einer "inferioren Leistung" sprachen.

"100 Prozent gegen Rapid"

. . . und Rapid. - © apa/Hans Punz
. . . und Rapid. - © apa/Hans Punz

Dennoch zollte Rangnick den Salzburgern Respekt: "Da muss man schon den Hut ziehen. Man kann gar nicht glauben, dass sie nicht in der Champions League spielen und gegen Roter Stern Belgrad ausgeschieden sind." Dass seine Mannschaft diesen Selbstfaller in der Europa League - noch dazu gegen Leipzig - wieder gut machte, freute Salzburgs Trainer Marco Rose indessen besonders. "Es ist eine sehr coole Geschichte, ein spezieller Sieg für uns", meinte der selbst aus Leipzig stammende Coach. "Die Jungs dürfen das genießen." Allzu lange bleibt ihnen dafür allerdings nicht Zeit, wartet doch mit dem Liga-Schlager gegen Rapid vor Heimpublikum am Sonntag (17 Uhr) die nächste wichtige Aufgabe. "Am Sonntag wirst du wieder abgefragt, musst wieder deine Leistung bringen. Nicht mit 80 Prozent, sondern mit 100 Prozent gegen Rapid", betonte Rose.

Rapids Europa-League-Gesicht


Denn auch die Grün-Weißen haben mit dem 2:0-Sieg zum Europa-League-Auftakt gegen Favorit Spartak Moskau wieder Aufwind bekommen, nachdem es in der Bundesliga überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen war. Das 0:1 im Derby gegen die Austria - samt Rufen nach der Ablöse von Coach Goran Djuricin und Fan-Ausschreitungen - hat Spuren hinterlassen, in der Liga-Tabelle rangiert Rapid mit nur zwei Siegen beziehungsweise neun Punkten aus sieben Runden auf dem siebenten Platz - und damit unter dem ominösen Strich, der nach 22 Runden die Spreu vom Weizen respektive die Meister- von der Qualifikationsgruppe trennt.

Bei aller Freude über den Sieg gegen den mit wesentlich mehr Geld ausgestatteten russischen Rekordmeister versuchte Djuricin, die Ergebnisse aber vor diesem Hintergrund realistisch einzuschätzen. Zum einen hätten den Russen fünf, sechs wichtige Akteure gefehlt, zum anderen gelte für ihn: "Genauso, wie wir uns von außen nicht anstecken dürfen, wenn wir verlieren, dürfen wir jetzt auch nicht euphorisch werden." Auch Torschütze Thomas Murg meinte: "Dass alles eitel Wonne ist, denke ich nicht. Wenn wir am Sonntag in Salzburg nicht gewinnen oder vielleicht sogar verlieren, dann ist wieder alles schlecht, und der Sieg zählt gar nichts. Das geht bei uns sehr schnell." Schlag nach bei den Leipzigern. Auch deren Euphorie war am Donnerstagabend arg erschüttert.