Wien. (may) Unglaublich, dass der einstmals attraktivste Trainersessel des Landes derzeit so unbeliebt ist: Lask-Erfolgstrainer Oliver Glasner antwortete auf die Frage, ob sich Rapid einen Anruf bei ihm in Sachen Nachfolge des am Samstag gefeuerten Goran Djuricin sparen könne, wie aus der Pistole geschossen: "Ja". Kein Wunder, man muss wohl ein ziemlicher Masochist sein, um die funktionierende Elf des Tabellendritten gegen den chaotischen Haufen des Rekordmeisters (Tabbellenrang acht) zu tauschen. Linzer Vorstadtprovinz in Pasching gegen Wiener Großstadtverein hin- oder her. Dass sich Rapid mit der Trainersuche alles andere als leichttut, wird übrigens von hoher Stelle gar nicht bestritten: "Wir haben echt eine Problematik im Umfeld. So viel negative Energie, damit will sich kaum ein Trainer auseinandersetzen", meinte Sportdirektor Fredy Bickel.

Damit deutete am Montag alles darauf hin, der größten und mit ihren Aktionen einflussreichsten Fanschar des Landes auch einen ihr genehmen neuen Trainer zu präsentieren. Und das kann logischerweise nur jemand sein, der reines grün-weißes Blut hat. Die Auswahl diesbezüglich ist freilich überschaubar und dürfte teuer kommen, denn die beiden relevanten Kandidaten verfügen über aufrechte Verträge.

Didi Kühbauer gilt - nicht zuletzt ob seines Sensationslaufes mit St. Pölten - als absoluter Wunschkandidat. Mit dem 2:0-Auswärtserfolg seiner Elf am Samstag, der zu Djuricins frühzeitigem Abgang geführt hat, hat er sich pikanterweise selber eine neue Jobperspektive bei seinem Herzensklub geschaffen. Bei dem es übrigens mit einem Job in den zehn Jahren seiner Trainerlaufbahn nie geklappt hat (stattdessen nur bei der Admira, Wolfsberg und St. Pölten). Es gilt als offenes Geheimnis, dass Kühbauer das Traineramt in Hütteldorf liebend gerne antreten und dafür sogar die 55 Kilometer zu Fuß von St. Pölten zurücklegen würde. Allerdings ist für ihn eine Ablöse fällig, die aber verkraftbar ist, läuft doch Kühbauers Vertrag bei SKN nur noch bis Saisonende. Bickel dürfte - wenn es St.Pölten erlaubt - jedenfalls mit Kühbauer verhandeln, aber erst nach der Präsidiumssitzung am Montagabend, wo sich der Schweizer den Sanktus holt. Kühbauer hielt sich am Samstag demonstrativ zurück: "Es tut mir leid für Gogo, aber das ist das Geschäft."

Ein heißer Kandidat ist auch Zoran Barisic, der zwar 2016 kurz vor Saisonstart unsanft hinausbefördert worden war, sich mittlerweile aber mit Präsident Michael Krammer ausgesöhnt hat. Er stand laut Informationen der "Wiener Zeitung" bereits in der Vorsaison Gewehr bei Fuß für ein Comeback, wäre es zu einem vorzeitigen Abgang des von den Fans regelrecht verfolgten Djuricin gekommen. Mittlerweile hat Barisic zwar bei Olimpija Ljubljana einen Dreijahresvertrag unterschrieben, aber auch das sollte kein Hindernis für ein Engagement sein.

Von vornherein ausgeschlossen sind indes Varianten wie Peter Stöger oder Andreas Herzog: Erster würde als Ex-Austria-Trainer nie akzeptiert, Zweiterer hat soeben Israel übernommen. Und beide wären definitiv nicht finanzierbar. Kommt es zu einer Lösung in Grün-Weiß, könnte sie schon am Dienstag Nachmittag - und damit rechtzeitig vor der Europa-League-Partie bei den Glasgow Rangers am Donnerstag - präsentiert werden.