Wien. (may) Die Losfee war offenbar recht gut gelaunt - sonst hätte sie den heimischen Europacupvertretern nicht solche Gegner beschert. Nicht nur, dass sie in Gruppe B Salzburg mit dem deutschen Schwesternklub RB Leipzig zusammenbrachte, lotste sie auch beide Glasgower Kultklubs in die Gruppen von Rapid und Salzburg. Und dann kommt es auch noch ausgerechnet am selben Abend in der Europa League zu einem ganz speziellen Kräftemessen zwischen dem österreichischen und dem schottischen Fußball: Am Donnerstag gastiert zunächst Celtic in Salzburg (18.55 Uhr/Dazn), gut zwei Stunden später (21Uhr/Puls 4) treten die Grün-Weißen bei den Rangers an.

Schauplatz Ibrox Park: Das Duell mit dem schottischen Rekordmeister (54 Titel) ist für die Hütteldorfer auch deshalb ein besonderes, weil es das erste für das grün-weiße Urgestein auf der Trainerbank, Dietmar Kühbauer, ist. Er wurde erst am Montag von St. Pölten wegverpflichtet, um den auf Tabellenrang acht zurückgefallenen Rekordmeister zu alter Stärke zu führen. Im Europacup, wo Rapid zuletzt auch Spartak Moskau besiegt hat (2:0), kann Kühbauer gewiss auch seine Motivationskünste voll ausspielen. "Unser Ziel ist es, nicht zu verlieren und den Mut aufzubringen, drei Punkte holen zu wollen", erklärte Kühbauer am Mittwoch, nachdem er tags zuvor sein erstes Training geleitet hatte.

Dafür braucht es jedoch eine makellose Leistung aller - sowohl auf mentaler als auch physischer Ebene. "Die Rangers sind daheim um zwei, drei Klassen stärker. Aber wenn wir etwas mitnehmen, sind wir in der Europa League gut dabei", so Kühbauer. Allerdings holten die Schotten zum Auftakt auch ein beachtliches 2:2 bei Villarreal - die Gruppe-G-Tabelle führen jedoch die Hütteldorfer an.

Gegen die Truppe von Ex-Liverpool-Star Steven Gerrard, die in der Liga ebenfalls hinterherdümpeln (Rang sechs) will man mithilfe eines noch von Co-Trainer Thomas Hickersberger entworfenen Matchplans bestehen. Oberstes Ziel dabei ist, die Rangers nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. "Sie sind ein atypisches schottisches Team, das einen gepflegten Fußball spielt. Dadurch bekommt man aber auch Räume, und die müssen wir bespielen", meinte Kühbauer. "Wir müssen mutig spielen und nicht nur verteidigen." Entscheidend sei das Vertrauen in die eigenen Stärken. "Wir haben eine spielerisch gute Mannschaft, die ihr Potenzial vielleicht noch nicht ganz ausspielt. Das muss unser Ziel für die nächsten Wochen sein."

Anders als in der Liga könne man in Glasgow nur gewinnen, meint Kapitän Stefan Schwab: "Wir haben null Druck, das ist auch einmal schön."

Schauplatz Red-Bull-Arena: An das jüngste Duell mit dem erfolgreichsten schottischen Klub (104 nationale Titel, 1967 Meistercup-Champion) hat Salzburg recht gute Erinnerungen: 2014 stand man sich in der Gruppenphase bereits gegenüber - nach einem 2:2 zuhause gelang im Rückspiel mit dem 3:1-Erfolg im Celtic Park ein ganz besonderer Coup: Es war der erste Europacup-Sieg einer österreichischen Elf in Schottland.

Und nach dem 3:2-Erfolg gegen RB Leipzig zum Gruppe-B-Auftakt ist die Brust der Salzburger besonders groß. Die Ansage von Coach Marco Rose ist daher unmissverständlich. "Wir wollen gewinnen." Allerdings ist doch etwas Vorsicht geboten, denn Celtic ist keine typisch schottische Mannschaft, die mit langen Bällen ihr Glück sucht. "Sie sind ein Team mit sehr klarer Spielanlage und spielen einen sehr gepflegten Fußball mit klaren Ideen im eigenen Ballbesitz." Deren Trainer Brandon Rodgers, zuvor bei Liverpool engagiert, umreißt die Spielidee so: "Es geht nicht um Ballbesitz, es geht um gefährlichen Ballbesitz." Womit sich eine interessante Spielkonstellation anbahnt, wenn die Schotten die Europacup-Heimmacht Salzburg herausfordern: "Normalerweise sind wir es, die einen tief stehenden Gegner knacken müssen. Diesmal müssen wir eine andere taktische Seite zeigen", so Rodgers.

Europa League, Donnerstag:

Gruppe B:

Salzburg - Celtic18.55 Uhr/Dazn

Trondheim - RB Leipzig18.55 Uhr

Gruppe G:

Glasgow Rangers - Rapid21 Uhr/Puls 4

Spartak Moskau - Villarreal21 Uhr