Wien. Österreichs Nationalmannschaft befindet sich schon im zweiten Nations-League-Spiel unter Zugzwang. In der Partie am Freitag (20.45 Uhr/ORFeins) im Ernst-Happel-Stadion gegen Nordirland müssen nach der Auftakt-Niederlage vor einem Monat in Bosnien-Herzegowina ziemlich sicher drei Punkte eingefahren werden, um die realistische Chance auf den lukrativen Gruppensieg zu wahren. Teamchef Franco Foda ist sich der Bedeutung des Spiels voll bewusst. "Gegen Bosnien ist es nicht so gelaufen wie gewünscht, aber jetzt werden wir alles versuchen, damit wir gewinnen", versprach der Deutsche.

Vor Beginn des neuen Bewerbs hatte Foda Platz eins in der
Liga-B-Gruppe 3 als Ziel ausgegeben. "Man muss sich immer hohe Ziele setzen. Ich habe aber nie gesagt, dass es ein Muss ist", betonte der 52-Jährige. Von einem Pflichtsieg gegen die Nummer 28 der Weltrangliste (Österreich ist 24.) wollte der Nationaltrainer daher nicht sprechen. "Die Situation ist relativ einfach zu analysieren: Wenn wir aus eigener Kraft Gruppensieger werden wollen, müssen wir gewinnen. Die Chance besteht aber auch noch bei einem Unentschieden oder einer Niederlage."

Allerdings besteht auch die Gefahr, die Gruppe als Dritter und Letzter abzuschließen. In diesem Fall würde man in der nächsten Nations-League-Auflage nur in der dritten Etage antreten und, was wohl noch schlimmer wäre, in der Auslosung für die EM-Qualifikation aus dem dritten und nicht aus dem zweiten Topf gezogen werden. Ein Gruppensieg wiederum brächte einen Bonus von 1,5 Millionen Euro, den Aufstieg in die zugkräftigere A-Liga sowie die Chance auf ein Last-Minute-EM-Ticket, sollte dieses auf regulärem Weg verpasst werden.

Foda baut gegen die Nordiren vor allem auf seine imposante Testspielserie von acht Siegen in neun Matches: "Wenn wir die Tugenden an den Tag legen, die wir in diesen Partien gezeigt haben, bin ich überzeugt, dass wir ein gutes Ergebnis holen werden." Auch gegen Bosnien-Herzegowina sei nicht alles schlecht gewesen. "Aber da waren nur die ersten 30Minuten gut. Jetzt gilt es, diese Leistung über 90 Minuten abzurufen", meinte Foda. Dabei müsse man sich vor allem beim Spiel im Angriffsdrittel steigern, forderte der Teamchef.

"Müssen dagegenhalten"

Foda erwartet einen hochmotivierten Gegner, der sein Heil über die Zweikämpfe sucht. Hier gelte es dagegenzuhalten. In diesem Zusammenhang kam den Spielern bemerkenswert oft das Wort "eklig" über die Lippen: Marcel Sabitzer und Guido Burgstaller erklärten, auch einen "ekligen Sieg" annehmen zu wollen, Alessandro Schöpf wiederum erwartete einen "ekligen Gegner". Da musste sogar der Chef relativieren: "Kämpfen, Zweikämpfe anzunehmen, das sind Grundvoraussetzungen, Basics im Fußball. Meine Intention ist es, unser Spiel zu spielen. Wir sind eine Mannschaft, die Fußball spielen will", so Foda. Außerdem sei es nicht zutreffend, die Nordiren ausschließlich als kampfbetonte und technisch limitierte Truppe zu charakterisieren. "Sie spielen zwar unter Druck lange Bälle, sind aber auch in der Lage, gerade in der letzten Zone zu kombinieren. Die können schon kicken", warnte er.