Wien. (may) 0:10. Wer Assoziationen zwischen Rapid und dem spanischen Klubfußball sucht, dem springt dieses Ergebnis aus der jüngeren Vergangenheit naturgemäß ins Auge. 2016 hieß der Gegner beim Sechzehntelfinal-Desaster Valencia, diesmal heißt er am Donnerstag in der Europa-League-Gruppe G (21 Uhr/Puls 4) FC Villarreal. Und angesichts der Umstände muss man sich durchaus berechtigte Sorgen machen, dass die vom Rekordmeister zum Tabellennachzügler (Rang neun) mutierten Hütteldorfer beim "gelben U-Boot" - so der Kosename der Kicker aus Castellón - mit ihrer Schwerlast auf den Schultern untergehen.

Denn das heuer zum wiederholten Male strapazierte Aus-der-Krise-Spielen, das im Europacup - auch mit etwas Glück - durchaus gelungen ist, muss beim spanischen Spitzenklub nicht zwingens wieder passieren. Dass der Fünfte der Vorsaison der Primera División aktuell ebenfalls hinterherdümpelt und derzeit nur Rang 16 einnimmt, sollte die Alarmglocken bei Grün-Weiß erst recht schrillen lassen. Denn sich mit ein paar Toren im Europacup aus der nationalen Krise herauszuinvestieren - diese Chance bietet sich für die Mannen des angezählten Trainers Javier Calleja auch nicht alle Tage.

An derlei Schwarzmalerei mag Dietmar Kühbauer, der seine Elf beim Debüt vor drei Wochen bei den Glasgow Rangers im Finish eingehen sah (1:3), aber keinen Gedanken verschwenden. Vielmehr versucht er seine nach dem 0:3-Desaster in Hartberg völlig verunsicherte Mannschaft als gefährlichen Außenseiter darzustellen. "Wir haben einen Gegner, der fußballerisch etwas besser ist als wir. Trotzdem sehe ich eine große Chance, dass wir etwas mitnehmen können, wenn wir mutig auftreten", erklärte der 47-Jährige. Schließlich kann in der derzeitigen Situation sowieso nur noch alles besser werden. "Wir haben eine gute Aufgabe vor uns, wir spielen gegen eine Mannschaft, die über uns steht. Da können wir uns beweisen und an Selbstvertrauen gewinnen. Ein Erfolgserlebnis kann vieles lösen", meinte Kühbauer.

Dafür ist die Rapid-Ikone auch bereit, etwas zu riskieren und in der Defensive erstmals auf drei Innenverteidiger zu setzen. "Wir werden wahrscheinlich etwas anderes machen. Wir haben etwas trainiert, von dem ich sage, das könnte uns guttun, wir würden uns damit leichter tun." Nach dem überraschenden Auftakterfolg gegen Spartak Moskau (2:0) wäre ein Punktegewinn auch wichtig im Kampf um den Aufstieg.

Ebendiesem könnten die Salzburger bereits am Donnerstag (18.55 Uhr/Dazn) einen großen Schritt näher rücken, wenn der erwartbare Dreipunkter gegen Rosenborg Trondheim eingefahren wird. Nach den verdienten Gruppe-B-Erfolgen gegen Leipzig und Celtic wäre dies schon die halbe Miete für den Aufstieg ins Play-off. Anders als früher scheint Salzburg bei Fans zu ziehen, auch wenn der norwegische Meister seine besten Zeiten hinter sich hat - für die Partie in Wals-Siezenheim wurden im Vorverkauf bereits 20.000 Karten abgesetzt.

Rose fordert Wachsamkeit

Trainer Marco Rose fordert von seiner Elf jedenfalls "Aufmerksamkeit und Wachsamkeit" gegen die Norweger, die von 1995 bis 2007 elf Mal in der Champions League spielten. "Rosenborg ist ein Team mit Qualität, das im Moment vielleicht ein bisschen Probleme hat, aber genau das kann sie gefährlich machen."