• vom 06.06.2018, 16:32 Uhr

Fußball-WM 2018

Update: 06.06.2018, 17:10 Uhr

Fußball

Der auferstandene Heilsbringer




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  • Nach wundersamer Genesung lastet auf Neymar der Druck von ganz Brasilien - wie vor vier Jahren.

Der Spieler mit der legendären Nummer zehn wird bei Länderspiel gegen Österreich im Blickpunkt stehen.

Der Spieler mit der legendären Nummer zehn wird bei Länderspiel gegen Österreich im Blickpunkt stehen.© APAweb, Reuters, Andrew Yates Der Spieler mit der legendären Nummer zehn wird bei Länderspiel gegen Österreich im Blickpunkt stehen.© APAweb, Reuters, Andrew Yates

Wien. (may) Beim Gejammer und Geheul der brasilianischen Stars vor vier Jahren hat er eigentlich nur einmal mitgemacht - und sein Schmerz war ausnahmsweise richtig heftig: Ein bei der Viertelfinal-Härteorgie gegen Kolumbien erlittener Wirbelbruch war nicht nur peinvoll, er bedeutete auch das jähe WM-Aus für Neymar im eigenen Land. Und so musste (oder durfte) er das 1:7-Desaster gegen Deutschland im Semifinale vor dem Fernseher erleben. Vier Jahre später hat Neymar die Schmerzen schon lange vor dem Saisonhöhepunkt überwunden, nach ausgeheilter Fußverletzung ist der 26-jährige Superstar auf dem Weg zurück zur Topform, womit der Rekordweltmeister seriöse Ambitionen hat, den verpassten Titelgewinn bei der Heim-WM in Russland nachzuholen. Auf dem Weg dorthin führt der letzte Härtetest der Seleção am Sonntag (16 Uhr/ORFeins) nach Wien.

Und natürlich wird der Spieler mit der legendären Nummer zehn dabei im Blickpunkt stehen. Denn erst Anfang März löste die Kunde aus Europa in Brasilien Alarmzustand aus - der Superstar verletzt, Operation nötig, monatelange Pause, die Titelkämpfe stark gefährdet. Im Ligaspiel gegen Olympique Marseille war der Star von Paris Saint-Germain vom Feld gehumpelt. War zunächst nur von einer kurzen Ausfalldauer die Rede, ließen die Meldungen der Folgetage über eine komplizierte Mittelfußverletzung und eher unwahrscheinliches WM-Antreten die Fans in Brasilien aber erschaudern. Unter riesigem Rummel traf der Mann aus São Paulo letztlich in Rio ein, wo er von Brasiliens Teamarzt operiert wurde. Sein Aufbautraining absolvierte Neymar dann in der Heimat. Täglich lechzten die Medien nach positiven Meldungen.


Das Comeback am Wochenende war dann ganz nach dem Geschmack seiner Fans. Beim 2:0 gegen Kroatien am Sonntag erzielte der zur Pause eingewechselte Angreifer nach herrlichem Solo die Führung. Es schien dabei, als sei mit ihm ein Ruck durch das gesamte Team gegangen. "Seine Präsenz hat uns besser gemacht", resümierte Brasiliens Teamchef Tite. Womit sich auch neuerlich zeigte, wie abhängig die Seleção von ihrem Stürmerstar ist, und dass der Titelgewinn in Russland einzig über Neymars Können möglich sein wird. Der Umkehrschluss besagt freilich, dass ein Ausfall wie vor vier Jahren diesmal nicht passieren darf.

Gegen Kroatien in Liverpool traf Neymar zum bereits 54.Mal bei 83 Teameinsätzen - Romarios Tormarke (55) kann Neymar in Wien übertreffen, dann sind nur noch Ronaldo (62) und Pelé (77) vor ihm. "Wir sind eine große Mannschaft, aber Neymar hat diese Gabe", meinte Kapitän Thiago Silva nach dem Kroatien-Spiel über seinen Klub-Kollegen. Dabei fühlt sich Neymar da Silva Santos Junior, wie er mit vollem Namen heißt, erst bei 80 Prozent seiner Schaffenskraft, wie er nach dem Comeback meinte. "Glücklich" sei er, wieder spielen zu können. "Es waren harte drei Monate."

Im Schatten von Messi, Ronaldo
Teamchef Tite war die wundersame Heilung seines Schützlings durchaus unheimlich, er versuchte die allzu große Euphorie zu bremsen, indem er Neymar bestenfalls ab der K.o.-Phase bei alter Stärke sieht. Zugleich mahnte er alle, nur ja nicht die Verantwortung von Brasiliens Fußballglück Neymar aufzuladen. "Das wäre unmenschlich. Er ist ein wichtiger Teil, aber nicht alles", betonte er.

Dabei geht es in Russland für Neymar persönlich um sehr viel, stand er doch bisher im Schatten der sich in der Rolle der weltbesten Kicker abwechselnden Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Zwar ist er seit seinem Wechsel von Barcelona nach Paris um 222 Millionen Euro der teuerste Fußballer der Welt, als Bester der Erdkugel ist er jedoch bisher nicht prämiert worden. "Messi und Ronaldo sind schon seit vielen Jahren da oben. Es wäre Zeit für andere Spieler, zu beweisen, der Beste der Welt zu sein", meinte darob sein Mitspieler Philippe Coutinho.




Schlagwörter

Fußball, WM, Neymar

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-06 16:40:19
Letzte Änderung am 2018-06-06 17:10:09



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